Willkommen bei KPÖ Tirol 

Verfehlte Medien- und Bildungspolitik im WILTEN Westen!

Kommunal Peter Nindler relativierte die ausgesprochen widersprüchliche und einseitige Schilderung eines Vorfalles zwischen Jugendlichen in Innsbruck mit einem Meinungs-Kommentar auf der Tagesthema-Seite 2 mit dem Titel: „Wir haben ein Problem“.

Nun, das stimmt. Und Medien, wie die Tiroler Tageszeitung, sind ein ganz „gewaltiger“ Teil dieses Problems: Der Aufreißer der Titelseite der Wochenend-Ausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 16. Dezember 2006 ist z.B. in seiner Geschmacklosigkeit und Unverantwortlichkeit kaum mehr zu überbieten.



Die Bildmontage auf der Titelseite zeigt ein Schultor im Fadenkreuz eines Zielfernrohrs!



Eigentlich haben nur Gewehre oder Geschütze ein Zielfernrohr!



Mit dem Foto sollte also offensichtlich eine sehr martialische Assoziation bei den LeserInnen erreicht werden: Da stand also eine ganze Schule, nämlich die Hauptschule Wilten, im „Visier von bis zu 30 tobenden Türken“. So steht es zumindest dick und fett in der Bildunterschrift. Freilich im Kleingedruckten, Nicht-Fettgedruckten erfuhr man dann schon, dass nicht eine ganze Schule, sondern eine 13-jährige Schülerin dieser Schule Ziel einer wirklich vehement zu verurteilenden Kollektiv-Attacke war: Als „Grund“ wurde angeführt, dass sie mit ihrem türkischen Exfreund „Schluss gemacht“ habe. Der Exfreund freilich - einmal 14-jährig, einmal 13-jährig, tags darauf wieder 15-jährig - will selbst Schluss gemacht haben… Na was jetzt?



Das eigentliche Geschehen, das sich dann doch offensichtlich – aufgrund der Polizeipräsenz? - gar nicht bei der Schule sondern in der Nähe der Triumphpforte ereignet haben soll, wird bruchstückhaft und unter bedrohlichen Titellettern geschildert, die der Angegriffenen raten, besser „das Bundesland zu verlassen“. Fragen nach der Verantwortlichkeit der Lehrer, der Eltern, des Bildungssystems, der Bildungspolitik und der offensichtlich wohl informierten Polizei an der Eskalation blieben in diesen Tiraden wohlweislich ausgeblendet. Gleich wie auch der eigentliche Stein des Anstoßes völlig im Nebulösen blieb, der ja zweifelsfrei vorhanden sein musste, sonst wäre es wohl kaum - trotz Polizeipräsenz!!! - zu einer derart heftigen und kollektiven Überreaktion einer ganzen Jugendgruppe gekommen.



Als wirklich langjährige Abonnentin der TT kann ich da nur mehr den Kopf schütteln - einerseits über soviel journalistische Schluddrigkeit andrerseits über die klar verhetzende Intention vor allem der Bildredaktion. Diese Meinung über diese deutlich wahrnehmbare Intention der Beiträge zum diesem Thema teile ich übrigens voll und ganz mit meiner türkischsprachigen Projektpartnerin, einer Mutter zweier heranwachsenden Söhne: Sie schüren mit einer Berichterstattung dieser Art ganz gewaltig die rassistischen und xenophoben Vorurteile in unserer Gesellschaft, wie wir es eigentlich sonst nur von gewissen Parteien gewohnt sind.



Die TT hat in den letzten Jahren teilweise SEHR an Qualität verloren. Dafür wird dann alljährlich der Abopreis erhöht. Zum Abgewöhnen.



Monika Himsl

Cin Ali Lernklub – Bibliothek