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Leserbrief zum Apropos von Alois Schöpf, in der Tiroler Tageszeitung vom 27. Jänner 2007; "Liebe Studenten!"

Pressespiegel Lieber Herr Schöpf!

Sie fragen "Studenten" und "ganz normale Handwerker" nach der "läppischen"
Studiengebühr.

Nun, als Studentin frage ich Sie: wissen Sie eigentlich welch katastrophale Wirkung die andauernden Stigmatisierungen als Faulenzer und Schmarotzer auf (junge) Menschen haben, die an einer Universität ihren beruflichen Horizont oft unter erheblichen finanziellen und zeitlichen Opfern! zu erweitern versuchen --, anstatt im Schweiße ihres Angesichtes bis an den Beginn ihrer gesundheitlich begründeten Frühpensionierung mit unqualifizierter Schwerstarbeit dahin zu molochen? Wohl kaum. Sonst könnten Sie nicht so schreiben.
Und als Handwerkerin (mit einer Meisterprüfung(1978) und einer zusätzlichen Lehrabschlussprüfung (1986), die ich noch in meiner ersten Werkstudentenzeit ablegte) rate ich Ihnen dringendst, sich einmal über das österreichische Bildungssystem etwas mehr zu informieren, bevor sie so unzulässige Vergleiche anstellen. Eine Meisterprüfung ist nämlich in keinster Weise mit dem Erwerb eines akademischen Grades gleichzusetzen. Üblicherweise war der angehende Meister zu meiner Zeit mindestens drei Jahre nach seiner bestandenen Lehrabschlussprüfung in seinem Gewerbe mit Gesellengehalt berufstätig, bevor er zur Meisterprüfung vor seinen Innungsmeistern zugelassen wurde (Praxisnachweis oder Dispens in besonderen Fällen).

Die eigene Innung legt übrigens wohl den Prüfungspreis für die nachkommenden Meister SELBST fest. Und die Innungen gehören zur Kammer der Gewerblichen Wirtschaft und legen auch die fachlichen Meisterprüfungsbedingung fest. Diese Ausbildung ist also nur zum Teil dem staatlichen Bildungswesen zuzuordnen, zum überwiegenden Teil aber der Wirtschaft. Schon die Lehrlingsausbildung erfolgt zum Großteil in der gewerblichen Wirtschaft, weshalb man ja auch von einer "dualen" Ausbildung
spricht, und weshalb die auszubildenden Lehrlinge ja auch vom ersten Ausbildungstag an eine Lehrlingsentschädigung erhalten, also mit ihrem Lernen vom ersten Tag an Geld verdienen.

Ein Fachschüler oder ein Student erzielt durch sein Lernen kein sofortiges Einkommen! Oft verdienen Studenten nicht mal als Praktikanten etwas sondern müssen froh sein, wenn sie überhaupt einen Platz für ihr Pflichtpraktikum bekommen. Ich selbst hatte übrigens das Vergnügen, in meinem zweiten Lehrberuf lange beim österreichischen Innungsmeister in Wien
darselbst zu arbeiten, den ich nur in den höchsten Tönen loben kann.

Als Politikwissenschafts-Studentin habe ich übrigens das Thema Studiengebühren
in den letzten Jahren sehr aufmerksam untersucht: in der Tiroler Tageszeitung
wurde das Stichwort (direkt oder indirekt) allein in den ersten vier Wochen
dieses Jahres mindestens 187 mal genannt. Dieses Thema brennt also sehr vielen
Menschen unter der Haut, denn die Nennungen sind überwiegend
regierungskritisch. Sie können also schon allein daran ermessen, dass die
Enttäuschung der Betroffenen ENORM ist, speziell wenn sie politisch engagierte
Studenten und Junggewerkschafter sind, die sich im vergangenen Wahlkampf ganz
besonders für genau jene Partei die Haken ab"gelaufen" haben, die nach
Ermessen der "berufsmäßigen Welterklären" (Journalisten, Politologen und
Meinungsforscher, etc. ) gar nicht erst in die Regierung hätte kommen können
(Bawag- und ÖGB-Desaster). Diese jungen Menschen werden in ihrem Vertrauen in
die Politiker so nachhaltig erschüttert sein, dass der Schaden für das
derzeitige Parteiensystem vielleicht nicht mehr gut zu machen sein wird. Der
Sinn von allen weiteren Wahlversprechen und die Glaubwürdigkeit der Parteien
ist nun nachhaltig zerstört und die Bevölkerung wird vermehrt zu anderen Formen
von politischer Beteiligung finden müssen. Das ist auch schon daran zu
erkennen, dass die derzeitige Regierung nämlich nur in Mandaten die
Zweidrittelmehrheit hat. Ihr relativer Stimmenanteil an der Gesamtzahl der
Wahlberechtigten liegt nämlich nur mehr bei ca. 51 Prozent. Was das für die
österreichische Demokratie bedeutet, wird man beobachten können. Die
Studentenproteste sind meiner Meinung nach nur ein erster Schritt, in eine neue
Richtung der direkteren Demokratie .

Monika Himsl
Barwies 375
6414 Mieming