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Vom Gesamtschüler zum Landesschulratspräsidenten

Pressespiegel Leserbrief zum Beitrag "Prominenz und Politik bei neuer Volksschule" (Tiroler Tageszeitung vom 8. Mai 2007) und "Aus Ackerland wird Schulstandort" (Rundschau 19/2007, 9. Mai 2007)
Die laut Homepage 764 Einwohner zählende Gemeinde Imsterberg erhielt um 2,2 Millionen Euro für derzeit 44 Schüler in drei Klassen und alle Kindergartenkinder eine neue Heimat: ein wahres Schmuckkästchen von einer Schule auf 1600qm "bestem Ackerland" - mit integriertem Probelokal für die Musikkapelle. Bei der feierlichen Eröffnung waren auch zwei besondere Absolventen der alten Schule anwesend: Dr. Erwin Koler und Gattin Hedi. Beide hatten laut Artikel die damals achtstufige defacto-Gesamtschule von Imsterberg besucht und zwar "dieselbe Klasse, wenn auch nicht die gleiche Schulstufe". Das wäre ein Beispiel für Unterrichtsministerin Claudia Schmied, das sie Herrn Neugebauer schon vorab zeigen könnte, der sie ja um eine Evaluation der beruflichen Werdegänge der Abgänger der bisherigen Gesamtschulversuche fragen will: der "Gesamtschüler" Koler ist immerhin nach seiner letzten Tätigkeit als Bezirkshauptmann von Landeck seit über einem Jahr Mitglied der Tiroler Landesregierung und amtierender Landesschulratspräsident - und somit für den gesamten Bildungs- und Kulturbereich im Land Tirol verantwortlich. Diese berufliche Karriere ist ein überzeugendes Argument gegen die Schul-Differenzierung.

Umso mehr verwundert Kolers Kritik an der "aus heiterem Himmel vom Zaun gebrochenen" und konzeptlosen "derzeitigen Schuldebatte". Als Landesschulratspräsident mit persönlicher "Gesamtschul"-Erfahrung nach 30 Jahren von Schulversuchen auch im Nachbarbezirk Landeck und nach einer 12-einhalbjährigen ÖVP-Unterrichtministerzeit (Busek und Gehrer) gegenüber einer erste seit 11. Jänner gerade einmal drei Monate amtierenden SPÖ-Ministerin von "Herumprobieren" zu sprechen ist gewagt. Oder wurde da in der Schule vor versammelter Schüler- und Lehrerschaft schon wahlgekämpft?

Jedenfalls: Wenn man Kolers hochrangige Begleiter betrachtet (Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa, Bezirkshauptmann Dr. Raimund Waldner und NR Astrid Stadler - alle ÖVP), dann wird klar, dass die ÖVP einen eigenen Politikerpool für Schulbesuche, wie ihn die Imster JVP neulich einzurichten versprach, nicht wirklich braucht. Bleibt nur zu wünschen, dass endlich auch die Kinder in den Tiroler Ballungsräumen so wunderbare Schulbedingungen wie die Imsterberger bekämen.

Monika Himsl, Mieming