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Thomas Eiterer: Der Glaube an dein Volk sei deine Religion

Pressespiegel Buchbesprechung von Rosmarie Thüminger
2008 jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem NS-Truppen in Österreich einmarschierten und so gewinnt das erst kürzlich erschienen Werk von Thomas Eiterer, das den Bereich Schule und Kirche im Bezirk Imst zur Zeit des Nationalsozialismus untersucht, eine besondere Aktualität. Wie der Fall Franz Jägerstätter in Oberösterreich zeigt, war der kirchliche Widerstand von besonderer Art. Es gab Katholiken, die sich von ihrem Gewissen her gegen das Regime stellten, doch die Amtskirche und die Bischöfe sahen solchen Widerstand nicht als ihre Sache an. Im Gegenteil, sie versuchten, durch Treue an die eigene Botschaft und eine Nichtanpassung an die unchristliche Weltanschauung des Nationalsozialismus einen gewissen Freiraum für sich und die Gläubigen zu schaffen und zu erhalten. Offenes Aufbegehren schien in diesem Kontext kontraproduktiv. Doch selbst ein passives Verhalten sah das Regime als Verweigerung der Gefolgschaft an und bekämpfte es.

Thomas Eiterer schildert Konfliktlage und Schikanen, denen die Kirche nach der Okkupation Österreichs ausgesetzt war und geht detailliert auf die Veränderungen im Schulwesen ein: Absetzung von Lehrpersonen, Frühpensionierungen, Einführung nationalsozialistischer Lieder und Gebete, Fahnengruß und selbstverständlich Umschreibung der Schulbücher.

Bei seinen Nachforschungen entdeckte der Autor bis dahin noch unveröffentlichte Quellen. Anerkennung gebührt Thomas Eiterer auch für die Anwendung der Oral History, wodurch Informationen gesichert wurden, die sonst für immer verloren wären. Die Auswertung von Chroniken, persönlichen Aufzeichnungen und Interviews, Faksimile von Zeugnissen und Ahnenpass sowie die zahlreichen Fotos ergeben einen detaillierten Einblick in den Teilbereich der düsteren Jahre von 1938 bis 45 und ein lebendiges Bild jener Zeit.

Dieses Buch zu lesen ist ein Gewinn für alle, die sich für Zeit- oder Regionalgeschichte interessieren.