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Leben wir noch im 19. Jahrhundert?

Partei Wir KommunistInnen erklären uns mit den AktivistInnen gegen den Pelzhandel solidarisch
Wer die Geschehnisse am Karsamstag in der Innsbrucker Innenstadt, von der „Tiroler Woche“ liebevoll „City“ genannt, verfolgt, den beschleicht die Ahnung, dass im „Heiligen Land“ Tirol die Säkularisierung noch nicht allzu weit fortgeschritten ist. TierschützerInnen, die gegen die in der Tat brutale Pelzproduktion protestieren und am Karsamstag mithilfe einer provokanten Aktion darauf aufmerksam gemacht haben, sollen nun mit einer Anzeige wegen „Herabwürdigung religiöser Lehren“ mundtot gemacht werden. FPÖ- Obmann Heis bringt mit der Aussage „Innsbruck ist eine christliche Stadt“1. Dass das Vorgehen der Beamten von der Stadtregierung gebilligt wird, darf angenommen werden. So entpuppt sich der Slogan von der „Weltstadt Innsbruck“ ein weiteres Mal als eine liberale Fassade eines erzreaktionären Hauses. Dass es offenbar einen solchen Tatbestand gibt, sollte zu denken geben. Sicher sollte keinem Christen die Ausübung der Religion verboten werden, genau so wenig wie Angehörigen anderer Religionen. Doch die religiösen Lehren als sakrosankt zu bezeichnen, unterscheidet sich vom Recht auf freie Religionsausübung. Gerade die Römisch-Katholische Kirche, die sich – wie andere Kirchen und Religionen auch – das Recht herausnimmt, über das Sexualleben ihrer Schäfchen zu wachen, und deren Vergangenheit nicht gerade unblutig war, muss sich – auch wenn von den Tierschützern möglicherweise gar nicht so intendiert – „Herabwürdigungen der religiösen Lehren“ schon gefallen lassen. Interessanterweise tritt mit der FPÖ, die diese Aktionen als eine „Beleidigung und Zumutung für alle Christen“ geißelt, wieder einmal diejenige politische Kraft in Erscheinung, die sich ansonsten um Beleidigungen nicht viel schert. Schon gar nicht, wenn es um die Beleidigung Homosexueller und AusländerInnen geht. Diese sollen also Beleidigungen ertragen, die Kirche ist dagegen unantastbar.

Roland Steixner