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"Ferngesteuerte" Bahn - verärgerte Fahrgäste

Verkehr u. Umwelt Kommentar von Josef Stingl
Persönliche Kundenbetreuung ist teuer, sie wird daher eingestellt – so stellt sich die Bahn neu dar: Züge und Bahnhöfe werden „ferngesteuert“ verwaltet. Statt Kassenschalter gibt es jetzt elektronische Fahrkartenautomaten, statt ZugbegleiterInnen gibt es im Regionalverkehr immer mehr schaffnerlose Zuggarnituren, statt mit Fahrdienstleitern besetzte Bahnhöfe gibt es nur mehr menschenleere Bahnstationen mit zentralen Lautsprecherdurchsagen. In Vorarlberg beispielsweise sollen bis 2014 alle FahrdienstleiterInnen für eine in Innsbruck zentralisierte Betriebsführerzentrale geopfert werden. Die Leidtragenden, ersteinmal die Bahnbeschäftigten, fürs „finanziellen Gesunden“ werden sie krankgespart: Durch den schleichenden Personalabbau und durch die Eingriffe ins Dienst- und Pensionsrecht. Dafür dürfen sie sich vor Ort die Prügel der KundInnen für die Managementverbrechen abholen.

Da sind wir auch schon bei den Leidtragenden Nummer Zwei, den BahnfahrerInnen. Kein Bahnpersonal vor Ort mehr, bedeutet für sie sich mit Automaten und fehlender Infrastruktur abärgern zu müssen. Wer sich mit dem Kartenautomaten schwer tut, kann sich heute weder auf Fahrkartenschalter, noch auf SchaffnerIn zurückgreifen. Das heißt auf die Fahrt verzichten oder eine mögliche Strafe wegen Schwarzfahrens in Kauf zu nehmen. Moderne KundInnenfreundlichkeit eben.

Noch schlimmer trifft´s gebrechliche, körperlich behinderte und Kleinkinde-rschiebende Menschen. War es früher so, dass der FahrdienstleiterIn am Bahnhof bei liftlosen Stiegenauf- und -gängen und ZugbegleiterIn beim Ein- und Ausstieg half, müssen heute diese Betroffenen entweder selbst für eine Begleitung sorgen oder halt auf ihre Mobilität verzichten.