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Gedenkjahr 2009

Standpunkte Von Rosmarie Thüminger
Was hat das weiträumige Deutschland mit dem engen Land Tirol gemeinsam? Das Gedenkjahr 2009 und mit diesem brechen Serien von Feiern, Festen, Umzügen, Symposien, Ausstellungen, Wettbewerben, Volksläufe, Buchprojekten, Filmen, … voll von historischer Folklore, über die gestressten BürgerInnen hie wie dort herein. Deutschland feiert 20 Jahre Mauerfall und Wende, Tirol feiert den verlorenen Freiheitskampf, der sich heuer zum 200. Mal jährt.

Seit 1909 der Mythos „Tiroler Freiheitskampf“ das erste Mal offiziell inszeniert wurde, wiederholt sich dieser Kult alle fünfundzwanzig Jahre und wird von allen konservativen politischen Richtungen instrumentalisiert: Von Monarchisten oder Liberale früher genauso wie später von Austrofaschisten, Nationalsozialisten, und heute von ÖVP und FPÖ. Jeder versuchte und versucht Andreas Hofer für sich zu reklamieren und für die eigenen Ehre und die eigenen politischen Ziel zu benützen. Während die SPÖ als Koalitonspartnerin in ihrer offiziellen Version selbstverständlich mitspielt, nehmen einige GenossInnen vom linkeren Flügel eine kritischere Haltung ein. Teile der Grünen erblicken in Andreas Hofer nichts anderes als einen Talibankämpfer und versuchen ihrerseits sich mit solch „coolen“ Sprüchen zu profilieren.

Die Tiroler Kulturszene sieht 2009 mit gemischten Gefühlen. Stephan Bildner, Leiter des Kunstraums Innsbruck erklärt seine Skepsis so: „Heldenbildung und Revolution wären interessante Thematiken für die zeitgenössische Kunst. Aber die Kulturszene wurde nicht in die Vorbereitungen zu 2009 eingebunden.“

Ermutigt durch die ideologisch eindeutige Ausrichtung der offiziellen Feierlichkeiten ergreift die rechte Jugend ihre Chance: Am 20. Juni laden sieben, teils als extrem rechts bekannte Innsbrucker Verbindungen zu einem Festkommers nach Innsbruck. Erklärter Anlass ist das Gedenkjahr.

All dieses Marktgeschrei lässt für die wenigen differenzierten Einschätzungen zur Person Andreas Hofer, seines Kampfes und seines Scheiterns kaum Raum.

Es wird viel von Freiheit schwadroniert in diesen Tagen, doch die Freiheit, die Andraes Hofer meinte, hat nichts mit dem Freiheitsverständnis von Heute, geschweige denn mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau zu tun. Die Mehrheit der TirolerInnen lebte zu jener Zeit auf dem Land und war geistig und gefühlsmäßig noch tief im Mittelalter verankert. Die letzten Hexeverbrennungen in Tirol fanden in Jahre 1722, gerade fünfundvierzig Jahre vor Hofers Geburt, statt und das tägliche Leben war von Glauben und Aberglauben geprägt. Zu den obersten Autoritäten zählten unangefochten die Katholische Kirche mit ihren Priestern und natürlich das Kaiserhaus.

Andreas Hofer gehörte zu den ersten Jahrgängen, die von der Einführung der allgemeinen Schulpflicht unter Maria Theresia profitierte, doch seine Lehrer waren Priester und das gesamte Schulwesen in Tirol war vom Klerus bestimmt. In diesem Sinne verkündete er denn auch den Sittlichkeitserlass vom 25. August 1809 in Innsbruck: „Viele meiner guten Waffenbrüder und Landesverteidiger haben sich geärgert, dass die Frauenzimmer von allerhand Gattungen ihr Brust- und Armfleisch zu wenig, oder mit durchsichtigen Hudern bedecken, und also zu sündhaften Reizungen Anlass geben, welches Gott und jedem christlich Denkenden missfallen muss. Man hoffet, dass sie sich zu Hinanhaltung der Strafe Gottes bessern, widrigenfalls aber sich selbst zuschreiben werden, wenn sie auf eine unliebsame Art mit Dreck bedeckt werden.“

In diesem Sinn war er auch dem fanatischen Pater Haspinger verfallen: Statt die Nachricht vom Schönbrunner Frieden und damit die absolute Hoffnungslosigkeit für das Land Tirol zur Kenntnis zu nahmen und auf die schriftlich vorliegende Friedensproklamation der Bayern und der französischen Befehlshabe einzugehen, in dem allen Tirolern, auch den Anführern, Straflosigkeit zugesichert wurde, ließ er sich von Haspinger überreden. Trotz eigener Bedenken rief er erneut zum Kampf auf. Mit dem Resultat, dass in den folgenden wenigen Wochen mehr TirolerInnen das Leben verloren und mehr Höfe und Dörfer in Flammen aufgingen als in den Monaten zuvor.

Der Gräuel vor den Ideen der Aufklärung, also Freiheit, Gleichheit, Brüderlich – oder besser Schwesterlichkeit, erwies sich größer als jede Vernunft.

Die Geschichte böte nun, 200 Jahre nachher, ergiebigen Stoff für Reflexionen und Besinnung. Das offizielle Tirol will davon nichts wissen. Ihm geht es darum, sich feiern zu lassen, nicht zuletzt in Hinblick auf künftige Wahlen.

Dabei wäre eine kritische Auseinandersetzung sehr wichtig.

Zum Schluss noch ein Beispiel besondere Absurdität männerbündlerischer ÖVP –Politik. Als Auftakt zum Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009 verlieh das Land Tirol verdienten Persönlichkeiten Ehrenzeichen. Neben zahlreichen Männern wurde auch Elisabeth Zanon, langjährige Landesrätin und ehemalige Landeshauptmannstellvertreterin geehrt, eben diese Elisabeth Zanon, die nach der letzten Landtagswahl von neubestellten Landeshauptmann Günther Platter vor die Tür gesetzt worden war. Sie hat damals dagegen protestiert, ihre ÖVP-Frauen haben dagegen protestiert, auch Frauen aus anderen politischen Lagern – es war nichts zu machen, die Männeriege siegte.