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SoWi-Besetzung: Gegenaktion gescheitert!

Standpunkte Von Roland Steixner
Der Versuch von sogenannten SOWI-StudentInnen, die Mehrheit in der besetzten Aula zu erlangen, war nicht von Erfolg gekrönt.

Ziel der GegnerInnen der Hörsaalbesetzung war es, mit Hilfe eines Mehrheitsbeschlusses das Ende der Besetzung zu erwirken. Der Antrag auf eine Debatte über das weitere Vorgehen der BesetzerInnen wurde entgegen dem Wunsch der BesetzungsgegnerInnen per Mehrheitsbeschluss (366 zu 203 Stimmen) an das Ende des Plenums verlegt. Damit wurde klar dass die GegnerInnen in der Minderzahl sind und die weitere Besetzung sichergestellt ist.

Klar wurde auch ein weiterer Antrag für das plangemäße Stattfinden von Vorlesungen am folgenden Tag abgelehnt. Dieser Antrag war nicht zuletzt deshalb peinlich für diejenigen, die die Vorlesungen abhalten wollten, weil der Antragsteller selbst die genauen Vorlesungstermine nicht nennen konnte. Nach der spannenden Diskussion am Samstag mit Rektor Töchterle hat die Protestbewegung Reputation gewonnen. Er gratulierte den BesetzerInnen dafür, dass sie "Universität im besten Sinne" betreiben und machte deutlich dass eine Diskussion über die Zukunft der Universitäten dringen nötig ist. Auch bundesweit geht die Dynamik des Protests nicht verloren, sondern breitet sich über die Grenzen aus.

An der Universität in Heidelberg kam es inzwischen auch zu einer Hörsaalbesetzung. Spannend bei dieser Aktion ist nun nicht mehr, ob durch die anhaltenden Proteste etwas erreicht wird, sondern was erreicht wird. 34 Millionen Euro Zuschuss zum Uni-Budget wurden bereits zugesichert. Das ist bei weitem noch nicht genug. Jetzt geht es darum die Verschulung der Universitätsausbildung zurückzunehmen, die freien Wahlfächer wieder einzuführen und wieder mehr studentische Mitbestimmung zu erkämpfen. Die Resonanz sollte auch anderen Mut machen gegen unzumutbare Bedingungen aufzustehen. Denn die Bildungsdebatte ist Teil der Gesellschaftsdebatte. Die Frage, ob die Bildung der Produktion von Humankapital für den Arbeitsmarkt dienen soll, ist nicht nur für Studierende von Bedeutung. Gerade auch SchülerInnen sind davon betroffen, dass die Schulen immer noch mehr zur Erzeugung von Humankapital missbraucht werden, anstatt Menschen eine Bildung und selbständiges Denken zu vermitteln. Das ist dann der Bereich, der bei weitem nicht nur SchülerInnen und StudentInnen betrifft, sondern alle. Denn nicht nur die Bildung wird zunehmend den Interessen des Marktes unterworfen, sondern alle Bereiche unseres Lebens. Wie die Alternativen zu einer neoliberalen Ausverkaufspolitik aussehen können, müssen nicht nur die StudentInnen, sondern alle diskutieren.

Roland Steixner ist Bundesvorstandsmitglied und Landesleitungsmitglied der KPÖ-Tirol