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Zur Jahreswende 2009 - 2010.

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde
Im Vorjahr meinte der Tiroler WKO-Präsident Dr. Jürgen Bodenseer bei seiner Neujahrsansprache, dass die weltweite Finanzkrise uns in Tirol nur sehr abgeschwächt trifft. Wörtlich orakelte er: „..., dass die wirtschaftlichen Turbulenzen mehr Chancen als Gefahren für den Standort Tirol bringen werden.“ Heute, ziemlich genau ein Jahr später, wissen wir, dass seine Neujahrswünsche nur für ganz wenige – wie beispielsweise dem Swarovski-Clan – zugetroffen sind. Der kann sich wirklich freuen, weist doch die aktuelle Forbes-Liste einen zehnprozentigen Vermögenszuwachs auf 2,2 Milliarden Euro aus.

Swarovski ist aber auch ein Synonym dafür, was 2009 für den Großteil der Bevölkerung bedeutet hat: Kurzarbeit, Kündigung, Lohnverlust usw., also noch mehr Angst ums nackte Überleben. Da gibt’s nichts zum Schönreden, denn die Arbeitslosigkeit ist rasant gestiegen, die letzten KV-Lohnrunden brachten „Zuwächse“, die alleine von der Entwicklung der Wohnkosten mehr als aufgefressen werden.

Wie meinte, Bodenseer im Vorjahr: „Die Schwarzmaler werden Gelegenheit haben, Bestätigung für ihre Sicht der Dinge zu finden. Die Ängstlichen werden Anzeichen sehen, die ihnen zeigen, dass sie Recht haben. Es werden allerdings auch die Mutigen genügend Belege für ihren Optimismus finden.“ Ich bin weder Schwarzmaler, noch ängstlich, trotzdem kann ich alles andere als optimistisch zurück ins Jahr 2009 und vor ins Jahr 2010 blicken.

Zwar sprechen alle Prognosen für „die Erholung des Wirtschaft“, aber denjenigen, die diesen Wirtschaftsaufschwung erarbeiten, nämlich uns, wird gleichzeitig mit gleichbleibender, wenn nicht sogar noch höheren Arbeitslosenraten gedroht. Das heißt nichts anderes, als dass noch mehr Menschen – oft trotz Arbeitsplatzes – an die, beziehungsweise unter die Armutsschwelle rutschen werden. War vor der sogenannten Finanzkrise bereits jede siebente Tiroler EinwohnerIn von Armut betroffen, wird diese dramatische Situation 2009 und 2010 sicherlich noch getoppt werden.

Auf die Wirtschaft zu hoffen stellt sich also als Irrglauben heraus, eingangs erwähntes Beispiel Swarovksi zeigt eindrucksvoll wohin ihr Weg geht, die Risiken und Verluste, zum Beispiel mit Kurzarbeit und Personalabbau auf alle zu verteilen und Gewinne für sich selbst zu verwenden. Als Gegenstrategie auf unsere gewählten VolksvertreterInnen zu vertrauen wird aber auch wenig helfen, von ihnen hören wir doch ebenfalls ständig „weniger Staat, mehr privat“. Mit dieser Begründung werden Sozialleistungen für unfinanzierbar erklärt, und maroden Banken und Konzernen das Geld in den Arsch geschoben. Uns wird im Gegenzug erklärt: „Jeder sei doch selbst seines Glückes Schmied.

WOW, sind etwa die zahlreichen Jugendlichen selbst schuld daran, dass es zu wenig Lehrstellen gibt, sind die zahlreichen Arbeitslosen selbst schuld daran, dass die ihre Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, sind die zahlreichen Armen selbst schuld daran , dass ihr Einkommen – oft mit Arbeit geringer sind – als ihre Lebenskosten, oder sind zahlreiche Kinder selbst schuld daran, dass sie in eine nicht privilegierte Familie hineingeboren sind? Und sind die ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Schuld an dieser Misere, oder dient die Fremdenfeindlichkeit und -hetze nur als Ablenkungs-Feindbild, damit die eigentlichen Verursacher ungeschoren davon kommen?

Liebe Tiroler Mitbürgerinnen und Mitbürger, in einem hat aber der Spruch „selbst seines Glückes Schmied zu sein“ die Richtigkeit. Wer eine Veränderung des derzeit eingeschlagenen Weges will, der darf sich nicht ausschließlich auf Faymann und Pröll, auf Platter und Gschwentner, Gewerkschaft und Wirtschaftskammer, auf inner- und außerparlamentarischer Opposition, also auf Andere verlassen. Es bedarf dazu Solidarität und Eigenengagement.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein kämpferisches Jahr 2010, denn gemeinsam sind wir stark.

Josef Stingl