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"Wohnst du noch, oder lebst du schon", ...

Wohnen von Josef Stingl
...wirbt ein schwedisches Möbelhaus. In Tirol müsste es bereits mit "Wohnst du noch, oder lebst du schon auf der Straße" werben, denn in Tirol gilt Wohnen ein als „Luxusartikel“. In keiner Landeshauptstadt ist Wohnen so teuer wie in Innsbruck. In Klagenfurt, St. Pölten und Eisenstadt beträgt die durchschnittliche Miete einer 70 Quadratmeter-Wohnung 460 Euro, in Innsbruck um 60 Prozent mehr, nämlich 750 Euro. Nur mehr in der „Stadt der Reichen und Schönen“, in Kitzbühel lebt es sich noch teurer als in unserer Landeshauptstadt.

Das teure Wohnen, gepaart mit „krisenhaften Lohnniveau und hoher Arbeitslosenraten hat Folgen, in den Bezirken Innsbruck und Kitzbühel steigen die Delogierungen. Ein Ausweg aus der Misere ist derzeit keiner in Sicht, denn auch Tirols Gemeinden ziehen sich immer mehr aus der Verantwortung der Wohnraumbeschaffung für ihrer GemeindebürgerInnen.

Gemeindeeigener Wohnbau ein Fremdwort, soziale Mieten nicht finanzierbar sind einige der Schlagworte. In Innsbruck kommt noch die Privatisierung der „Gemeindewohnungsverwaltung“ dazu. Trotz anders lautender Präambel im Gesellschaftsvertrag der Innsbrucker Immobilien GmbH (IIG) gilt für Vorstand und Aufsichtsrat Gewinn und soziale Anliegen das oberstes Geschäftsprinzip. Daher auch der Wunsch, endlich das Einfrieren des Richtwertmietzinses aufzuheben und diesen auch rückwirkend der Inflation anzupassen. Denn 18 Prozent Mieterhöhung wird weder von IIG noch von Bürgermeisterin Hilde Zach als Problem erkannt.

Der Pseudo-Ausweg, die Mietzinsbeihilfe – nur, diese ist nicht landeseinheitlich. Hat man/frau in Innsbruck sofort darauf Anspruch, muss man in anderen Gemeinden erst einige Zeit gemeldet sein um überhaupt zu diesem „sozialen Genuss“ zu kommen. Fast belustigt schon, dass gerade die Gemeinde Ehrwald, in der „Bürgerforum-Dinkhauser-Flüchtlingskandidat“ Thomas Schitzer Bürgermeister ist, zu den Gemeinden gehört, in der es gar keine Beihilfe gibt. Verschweigen soll auch nicht werden, dass die Mietzinsbeihilfe eigentlich nur eine „Querfinanzierung“ für die Säckel der (parteinahen?) Wohnbaugenossenschaften und privaten Miethaie ist.

Da das „Leben unter der Bücke“ als Ziel oder gibt’s doch einen Ausweg? Im „Roten Wien“ der Zwanziger Jahre setzte beispielsweise, die Politik exzessiv auf den Gemeindewohnbau. Die Logik vom Verhältnis von Angebot und Nachfrage führt dazu, dass das gestiegene Angebot von günstigeren Mietwohnungen, auch die Kosten für die Mieten im sogenannten freien Wohnungsmarkt zurückfallen lassen.

Oder ein Beispiel der Neuzeit: In Graz dürfen seit 1998 auf Initiative des damaligen kommunistischen Wohnungsstadtrat Ernest Kaltenegger, die Wohnungskosten (Miete, plus Betriebs- und Heizkosten) nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmachen. „Kommunistische Zustände“ die sich selbst die inzwischen konservativere Grazer ÖVP/Grüne-Stadtführung nicht mehr weg denken kann. Nicht auch eine Lösung für das Wohn-Tohuwabohu in Innsbruck?

Josef Stingl ist landespolitischer Sprecher dier KPÖ-Tirol