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Verschwendung von Lebensmitteln

Standpunkte von Roland Steixner
Jüngst gingen die Bilder von Christian Figallo durch das Internet und gelangten sogar in die Printmedien, die angesichts des "Weihnachtsloches" sonst nicht viel zu berichten wussten. Dieser hat am 28.12.2012 den Biomüll der Firma Hörtnagl in Innsbruck fotografiert. Die Biotonnen waren randvoll mit Fleisch- und Wurstwaren gefüllt. Angesichts der Tatsache, dass weltweit täglich über 24 000 Menschen verhungern, kann einem schon leicht übel werden, wenn hier sichtbar wird, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden, den diese Tonnen bei der Firma Hörtnagl sind selbstverständlich kein Einzelfall sondern trauriger Alltag in der Lebensmittelindustrie. Ein übles Gefühl in der Magengrube beschleicht uns, dass die Verteilung von Lebensmitteln durch den Markt doch nicht so effizient geschieht, wie uns die vollen Ladentheken unserer Geschäfte glauben machen wollen. Hier wird offensichtlich, dass die Kehrseite der Überfülle an Lebensmitteln, die in den Geschäften täglich zum Verkauf angeboten werden, eine enorme Ressourcenverschwendung ist, die uns als Verbraucher nur zu oft nicht bewusst ist. Die Firma Hörtnagl rechtfertigt ihren Biomüll damit, dass hier Lebensmittel ihr Haltbarkeitsdatum überschritten hätten. Das ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich sind Fleisch- und Wurstwaren leicht verderblich. Allerdings wirft die Tatsache, dass um die Feiertage massenhaft Fleisch weggeworfen wird, Fragen auf, die die Grundlagen unserer Lebensmittelversorgung betreffen.

Ist es wirklich nötig, dass so viele Tiere geschlachtet werden, nur um dann am Ende in der Biotonne zu landen?

Könnten die Ressourcen, die verschwendet werden, um die Aufzucht von so vielen Schlachttieren zu gewährleisten, nicht anderweitig sinnvoller eingesetzt werden?

Ist der Hunger weltweit nicht letztlich eine Verteilungs- und Organisationsangelegenheit, die leicht gelöst werden könnte, wenn der politische Wille dazu bestünde?

Was müsste sich ändern, damit diese sinnlose Verschwendung ein Ende hat?

Ganz grundlegend: Die Verhältnisse!

Wir müssten zu einem Bewusstsein zurückkehren, dass in einem Geschäft um 17:00 Uhr schon einmal Waren ausgehen dürfen. Ein Bewusstsein, dass Lebensmittel zu kostbar sind, um weggeworfen zu werden und dass es daher schon einmal besser ist, wenn wir das was wir gerne hätten, nicht rund um die Uhr zu haben ist. Nur weil es um diese Uhrzeit keine Wurst, kein Fleisch und kein frisches Gebäck mehr gibt, verhungert niemand. Doch um auch hier die Versorgungsgerechtigkeit herzustellen, muss die Wochenarbeitszeit gesenkt werden, damit die Menschen, die von der Lohnarbeit leben, sich die Zeit für ihre Einkäufe anders einteilen können. Diese Arbeitzeitverkürzung muss gerechterweise auch die Beschäftigten im Handel betreffen. Bei gleichen Öffnungszeiten bedeutet das allerdings unter dem Strich dann mehr Jobs, und das noch bei weniger Stress, da weniger weggeworfen werden müsste. Diese Arbeitszeitverkürzung ist in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Denn wenn nicht mehr so viel Überschuss erwirtschaftet werden, kann auch die Arbeitszeit verringert werden. Wenn eine solche Arbeitszeitsenkung bei vollem Lohnausgleich stattfindet, dann hätten wir obendrein eine Umverteilung von oben nach unten, die ohnehin schon seit langem fällig wäre.

Wenn nun weltweit so viele Lebensmittel produziert werden, dass die Welt damit dreimal ernährt werden könnte, dann erübrigt sich die Forderung nach der Produktion von noch mehr Lebensmitteln mit Hilfe von noch ertragreicheren Getreidesorten, noch fetteren Schweinen, von Superkühen usw. Wir haben mehr als genug Ressourcen, um die Welt zu ernähren. Wenn wir es mit diesem Überschuss, der täglich produziert wird, nicht hinkriegen, dass der Hunger vom Erdball verschwindet, dann werden wir es auch mit der Steigerung der Produktion kaum schaffen.
Das Ziel müsste vielmehr sein, Lebensmittel überwiegend dort zu produzieren, wo sie gebraucht werden, und in dem Maße zu produzieren, wie sie gebraucht werden. Die Produktion von Lebensmitteln müsste am Bedarf angepasst werden. Das ist derzeit nicht der Fall. In Hungergebieten des Südens z.B. werden vielfach Genussmittel für den Norden produziert, sodass dort die Ressourcen nicht dafür frei werden, den Lebensmittelbedarf in der Region zu decken, während im Norden die Agrarwirtschaft aus der öffentlichen Kasse noch massenhaft Subventionen erhält, um noch mehr Überschüsse zu produzieren. Hier geht es nicht um die viel beschworenen Bergbauern und Landschaftspfleger. Die EU subventioniert in erster Linie landwirtschaftliche Großbetriebe.

Der freie Markt hat bei der Versorgung von Gütern, die alle brauchen, so seine Probleme. Das gilt für den Wohnungsmarkt, für die Wasserversorgung, für die Strom- und Energieversorgung. Das gilt aber auch für die Lebensmittelversorgung. Denn die Nachfrage nach diesen Gütern ist hoch und die Betroffenen können auf diese Güter nicht einfach verzichten, wenn die Preise für diese Güter überteuert sind. Vielmehr lassen sich durch die künstliche Verknappung des Angebotes saftige Gewinne erzielen, was Spekulanten dazu ermutigt, die Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben.

Auch hier gilt grundsätzlich die Losung, dass das, was alle brauchen, auch allen gehören soll.