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Wie wird aus Geld Kapital?

Standpunkte Während immer mehr Menschen verarmen und sich parallel dazu die Anzahl der Millionäre erhöht ( z. B in Österreich) stellt sich die Frage, ob es hier einen Zusammenhang gibt und was es mit diesem auf sich hat.
Die Besitzer von Geld haben mehrere Möglichkeiten, mit diesem umzugehen.
1.: Es einfach aufbrauchen - dies hat jedoch zur Folge, dass es irgendwann zur Gänze aufgezehrt ist und der Besitzer (oder seine Nachkommen) sich dann in jener Situation befindet, mit der die meisten Menschen leben müssen: um Geld zu bekommen, bleibt - wenn man keines hat - nur die Möglichkeit, durch den Verkauf der eigenen Arbeitskraft an Geld heranzukommen. Eine viel besser Möglichkeit mit Geld umzugehen, besteht natürlich darin, es zu vermehren:

2.: In der Realwirtschaft überlegt der Geldbesitzer, welche Waren bei den Käufern gefragt sind, um mit diesen einen Gewinn zu machen. Er kauft Rohstoffe, Maschinen , Werkzeug und natürlich die Arbeitskraft in Form von Lohn. Der Arbeiter verkauft gerne freiwillig (?) in Form eines Arbeitsvertrages seine Arbeitskraft. Während der Arbeitszeit verfügt der Käufer der Arbeitskraft zur Gänze über diese und bestimmt wie und in welcher Intensität gearbeitet werden muss ( kann hier eine Arbeiter nicht mithalten, verliert er natürlich seinen Arbeitsplatz). Durch die Anwendung der Arbeitskraft wird einem Rohstoff Wert zugesetzt. Wie hoch dieser zusätzliche Wert ist, wir bestimmt durch die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, die nötig ist, um das neue Produkt herzustellen. Je größer diese Arbeitszeit ist - um so höher ist der neu geschaffene Wert. Nun ist der ursprüngliche Käufer der Waren Rohstoffe, Arbeitsmittel und Arbeitskraft ( auch die Arbeitskraft ist nichts Anderes als Ware) auch Besitzer dieser neuen Waren und das Geld, das er durch den Verkauf der Waren erhält, die nach getaner Arbeit mehr wert sind als zuvor, kommt ihm allein zu. Der ursprüngliche Geldbesitzer bezahlt dem Arbeiter nicht den Wertzusatz, den dieser durch seine Arbeit erzeugt hat. Er bezahlt ihm nur dem Lohn, der so hoch ist, dass der Arbeiter seine Arbeitskraft erhalten kann. Der neue Wert, den der ursprüngliche Geldbesitzer durch den Verkauf seiner Waren erhält, ist höher als der Wert der Rohstoffe, Arbeitsmittel und Lohnkosten, die er vor der Produktion kaufte. So bleibt ihm nun nach der Produktion der Waren und deren Verkauf ein Profit. Und so wurde aus einem simplen Geldbesitzer ein Kapitalist.

Natürlich möchte der Kapitalist aus seinem ursprünglich eingesetztem Geld möglichst viel herausholen - er ist somit bestrebt, die Lohnkosten zu senken : einerseits durch simples Senken der Löhne oder (auch) durch Erhöhung der Arbeitszeit oder (auch) durch Steigerung der Arbeitsintensität. Auch wird überlegt, ob Lohnkosten durch Einsatz von Maschinen - wenn dies billiger ist (also sich rentiert) - eingespart werden können. In diesem Fall wird der Arbeiter natürlich entlassen - glücklicherweise ist der ursprüngliche Geldbesitzer - und jetzt Kapitalist - ja diesem zu nichts verpflichtet. Weiters kommt es oft zu Verlegung von Betrieben in Ländern, wo die Arbeitskraft noch billiger ist, um die Profitsrate zu erhöhen. In diesem Fall werden die bisherigen Arbeiter „ freigesetzt“. Der Arbeitnehmer ist nun gezwungen, einen anderen Kapitalisten zu finden, der bereit ist, diese Arbeitskraft zur eigenen Bereicherung zu kaufen. Findet er keinen, der seine Arbeitskraft kaufen will, wird aus dem Arbeiter ein Sozialhilfeempfänger und er kann nun an der Höhe der Mindestsicherung erkennen, wie viel sein Leben nun wert ist.

Weiters ist der Kapitalist , um möglichst viel Geld gewinnen zu können, bestrebt, seine Produktion auszudehnen. Er versucht, durch die Erweiterung seines Betriebes, möglichst viele Waren zu verkaufen. Leider kommen andere Kapitalisten natürlich auch auf diese Idee, sodass es zur Überproduktion kommt. Waren können nicht mehr verkauft werden, Betriebe müssen schließen, der Arbeiter, wird (wieder einmal) entlassen.

3.: Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sein Geld arbeiten zu lassen. Aber Achtung: Das Geld selbst arbeitet niemals! Auch in der Finanzwirtschaft beruhen die Gewinne darauf, dass Menschen arbeiten, die weit weniger erhalten, als sie an Wert für den Kapitalisten durch ihre Arbeit erschaffen. Geldbesitzer können sich durch den Kauf von z.B. Aktien an zukünftigen Gewinnen eines Konzerns zu beteiligen. Da der Gewinn aber eingeschätzt wird (Börse), ist die Aktie sogleich und mittlerweile in erster Linie Spekulationsmittel.

Die Anhäufung von Geld basiert nur auf diesem einzigen Prinzip ( abgesehen davon, dass sich Kapitalisten beim An- und Verkauf vielleicht auch versuchen, sich gegenseitig über´s Ohr zu hauen): auf dem Kauf der Arbeitskraft, die durch die konkrete Arbeit Wert schafft, der letztendlich und per Gesetz alleine dem Kapitalisten gehört - also auf der Ausbeutung des Arbeiters.

Pastyrik Gerda
(Sozialarbeiterin im Amt für Jugendwohlfahrt)