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Kein Geld?

Standpunkte Von Rosmarie Thüminger

Eine meiner Freundinnen arbeitet als Diplomierte Krankenpflegerin. Als ich sie letzthin traf, fand ich sie blass und müde. Sie meinte, dass sie sich tatsächlich so fühle und erzählte mir von ihrem Alltag im Krankenhaus. Es muss immer mehr Arbeit geleistet werden, weil es viel zu wenig Personal gibt und der Stress von Jahr zu Jahr zunimmt. Allein auf ihrer Station ist seit fünf Monaten eine Stelle vakant und die zusätzliche Arbeit, also auch die Nachtdienste, müssen von den noch vorhandenen Krankenpflegerinnen übernommen werden. Es fehlt an Hilfspersonal, das Arbeiten wie Bettwäsche wechseln, Betten machen, Essen bringen und ähnliches übernehmen könnte.

Zudem - und das belastet sie sehr - ist keine Zeit, um sich den PatientInnen auch psychisch zuzuwenden. auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen, ihnen Mut zuzusprechen. Viel Zeit nimmt die Dokumentation der einzelnen Pflegehandlungen in Anspruch. Auch körperlich sind die Krankenpflegerinnen gefordert. Sie selbst leidet seit einiger Zeit an Rückenschmerzen, weil das Heben der Kranken ihre Muskulatur zu sehr belastet.

Seit Jahren ist klar, dass mehr qualifiziertes Krankenpflegepersonal notwendig ist. Und dass diese Menschen psychisch und physisch stabil sein sollten, um die PatientInnen, die sich in einem Ausnahmezustand (krank, in einer fremden Umgebung, teilweise von Ängsten um ihre Gesundheit geplagt, befinden), die nötige Stabilität geben zu können.

Meine Freundin meint, dass vor fünfzehn oder zwanzig Jahren die Atmosphäre auf der Station viel entspannter gewesen ist und heute viele Schwestern depressiv und unzufrieden sind und sich an ihrem Limit sehen.

Die Situation in der Krankenpflege positiv, im Sinne der PatientInnen und des Pflegepersonals zu verändern, braucht es Geld. Doch eine Gesellschaft, in denen die herrschenden Kräfte mit horrenden Mitteln die Banken gesunden lassen, dürfen Kranke, Pflegebedürftige und ihre Pflegekräfte nicht zu Tode gespart werden.