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Arbeitszeit bis zu 12 Stunden am Tag – das tut niemandem weh

Pressespiegel Offener Brief an Herrn Kapsch ( Präsident der Industriellenvereinigung):

Sehr geehrter Herr Kapsch!

Gemäß dem Bericht des Standard vom 17.6.d.J. sei einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte in der kommenden Periode ein flexibleres Arbeitsrecht. Außerdem können Sie sich vorstellen, dass die Arbeitszeit „bis zu zwölf Stunden pro Tag“ möglich sein solle „das tut niemandem weh“! Uns KommunistInnen tut so viel Präpotenz auf jeden Fall weh.
Weh tut Ihnen natürlich die lange Arbeitszeit nicht. Auch nicht den Arbeitgebern, die ja durch die lange Arbeitszeit der ArbeitnehmerInnen profitieren, in dem sie durch die längere Arbeitszeit mehr an Profit durch die Arbeit der Arbeitnehmer für sich herausholen können.
Ob den ArbeitnehmerInnen eine solch lange Arbeitszeit weh tut, könnten Sie, Sehr geehrter Herr Kapsch, durch ein zwölfstündiges Arbeiten z. B. am Bau, Hochofen oder Fabrik - möglichst an mehreren Tagen hintereinander - an sich selbst feststellen. Dabei könnten Sie sich auch die Frage stellen, wie Sie nun Ihre Kinder versorgen können und wie Sie eine Beziehung zu Ihren Familienmitgliedern haben können sollen.“

Warum die Arbeitnehmer eine Verlängerung des Arbeitstages wollen:
Der Arbeitgeber setzt durch seine Tätigkeit den Waren oder Rohstoffen Wert zu. Dieser zusätzliche Wert bleibt an und für sich dem Arbeitgeber und Besitzer der Produktionsmittel - der Arbeitnehmer erhält lediglich jenen Wert in Form von Lohn, der dem Wert seiner wiederherzustellenden Arbeitskraft entspricht - d.h., er erhält die Möglichkeit, durch den Lohn Lebensmittel, Miete und vielleicht noch etwas für Bildung und Kultur für sich bezahlen zu können, aber auch nicht mehr. Von seiner Abhängigkeit, Monat für Monat seine Arbeitskraft dem - oder einem - Arbeitgeber zur Verfügung stellen zu müssen, kann er sich niemals befreien. Je länger der Arbeitstag, umso mehr erschafft der Arbeitnehmer durch seine Arbeit an Wert und ein umso größerer Teil dieses Wertes verbleibt dem Arbeitgeber, da der Wert der Arbeitskraft ja durch die Verlängerung des Arbeitstages nicht steigt (siehe „Das Kapital“ von Karl Marx: „ Der Arbeitslohn“ und „der Arbeitstag“).

Was uns KommunistInnen übrigens auch noch wundert, ist, dass zu solchen Aussagen von den Sozialdemokraten weder ein Aufschrei noch sonst eine Bemerkung dazu kommt. Was ist los? Zu viel Verständnis seitens der Sozialdemokraten für das Bedürfnis der Arbeitgeber, sich an der Arbeit der Arbeitnehmer noch mehr bereichern zu wollen?

Übrigens wurde der 8-Stunden-Arbeitstag zum ersten Mal beim Genfer Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation 1866 unter Mitwirkung von Karl Marx und Friederich Engels gefordert. In der weiteren Folge setzt sich die (damalige) sozialdemokratische Arbeiterpartei für die Reduzierung der Arbeitszeit ein. In Deutschland und Österreich ist der 8-Stunden-Tag seit 1918 gesetzlich vorgeschrieben. Warum? Weil auch die Regierenden erkannten, dass mit erschöpften und kranken ArbeitnehmerInnen kein Profit zu machen ist.

Gerda Pastyrik