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Schöner Leben in Innsbruck

Kommunal Flughafen, Autos und die Rückeroberung der Straßen in Innsbruck

1. Der Flughafen soll generalsaniert und die Asphaltdecke komplett ab- und neu aufgetragen werden. Nach Aussage vom Flughafen Prokuristen wird in Schichten gearbeitet und die Flughafenpiste nicht vergrößert. Die Anrainerschutzgemeinschaft Innsbruck Airport weist allerdings darauf hin, dass diese Aussage schon 2008/2009 getätigt wurde, und es doch zu einer Pistenvorfeldvergrößerung gekommen war. Abgesehen vom Fluglärm, der nicht nur die unmittelbaren Anrainer nervt, sondern in ganz Innsbruck und weiter hinaus zu hören ist, sollte man bedenken, dass Flugzeuge erhebliche Gesundheitsprobleme produzieren in Form von ultrafeinen Staubteilchen. Es wurden zB Stickoxide, CO2, Schwefeldioxid und Feinstaub gemessen in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Nichts Neues. Dass die Messwerte nicht so sind wie an einem Kurort, war klar. Umweltmediziner geben aber nun zu bedenken, dass winzige Partikel, etwa hundertmal kleiner als der "normale" Feinstaub, die in Kraftwerken, Holzöfen, Fahrzeugmotoren und auch in Flugzeugturbinen entstehen, tief in Lunge und ins Gehirn eindringen. (Das merkt man an unsren PolitikerInnen. Mikrofeinstaub macht scheinbar auch deppert!) Über die Auswirkungen dieser Mikroteilchen ist noch wenig bekannt, im Gegensatz zum gröberen Feinstaub, der bekanntlich auch Krebsverursacher ist. Messstellen wegen Fluglärm und Luftqualität gibt es In Innsbruck. (Placebo fürs Volk?) Wie stehts mit der Messung von Mikroteilchen? Und überhaupt stellt sich die Frage, warum es einen Flughafen gibt im engen Inntal?! Im Grunde unnötig wie ein Kropf! Eigentlich nur für Business-und Touri- Menschen, die schnell von A nach B jetten wollen. Die Für und Wider- Airport- Diskussion wurde erfolgreich abgewürgt, was nicht anders zu erwarten war.
2. Tempo 30 in Wohngebieten wurde von einigen Parteien im Gemeinderat abgeschmettert. Sich vorzustellen, dass Kindergartenkinder nicht mehr in gelben Schutzmäntelchen entlang den Straßen gehen könnten, weil keine Autos an ihnen mit Affentempo vorbei brausen, ist hier undenkbar. Andererseits wird Pendeln mit dem Auto immer nerviger. Stundenlanges Sitzen im Stau, und das meist alleine, versteht sich, macht das Autofahren auch nicht gerade lustiger. Umsteigen auf Öffis wären eine gesunde Alternative. Leider ist das nicht gerade billig für Menschen, die nur ab und zu ein Ticket brauchen und nicht fürs ganze Jahr. Gratistickets? Nein danke, meint die neue Vize Bgm Grünl- Schwarzl. Wie eine lebendige Stadt verwirklichen gegen herrschende Betonkopfmentalität? Einige Beispiele aus Wien und anderen Städten zeigen, dass durchaus urbanes Wohnen Spaß machen kann, ohne Autoabgase, ohne Autolärm: Die Rückeroberung der Straße findet in Wien in Form von Parklets statt. BürgerInnen machen ein Konzept, wie ein Stellplatz in einer Straße umgestaltet werden könnte. Erlaubt sind Grünflächen, aber auch Begegnungszonen oder Kunstprojekte. Über 30 öffentlich zugängliche Projekte gibt es bisher. (Die Idee stammt übrigens aus San Francisco, wo Künstler Geld in eine Parkuhr warfen und statt eines Autos dort einen Tag ihre Kunst abstellten.) In der Hamburger Innenstadt wird seit Anfang August tagsüber das Rathausviertel für Autos abgesperrt. Was dort auf den Straßen dann geschah, war bemerkenswert: Die Straßen füllten sich mit Menschen, Ladenbesitzer räumten Tische und Stühle auf ehemalige Parkbuchten, stellten Blumenkübel raus. Tischtennisplatten, Klaviere... Neue Besucher schlenderten über Straßen und genossen offensichtlich die neue Ruhe.
Blech wird durch Leben ersetzt.
Auch Innsbruck könnte sich am EU Projekt CITIES4PEOPLE beteiligen. AnwohnerInnen, Gewerbetreibende und Kommunen sollen gemeinsam entscheiden, wie ihre Straßen aussehen. Aber es werden weiters fröhlich Straßen saniert und ausgebaut. Auf die Gesundheit ist gepfiffen. Auf Mitbestimmung auch. Leider leben wir noch in dem unseligen Jahrhundert der lauten und abgashaltigen Autos und Flugzeuge. Und die Zeitbombe tickt. Aber es geht auch anders!
Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern Ihren Genossen oder Ihre Genossin!

Sylvia Dürr