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Leserbrief an die TT zu Pensionen: Alles paletti?

Sozial Richtigerweise verweist Bernd Maren auf die bevorstehende Altersarmut aufgrund von Teilzeitbeschäftigung. Richtig auch, dass diese Armutswelle weiblich ist. Mit seinem Lösungsansatz, dem Pensionssplitting kann ich wenig anfangen. Werden die Versichertenbeiträge gesplittet, erhöht sich zwar die zu erwartende Pensionshöhe für den weiblichen Familienpartner, reduziert allerdings im gleichen Ausmaß die der männlichen Familienpartner. In Pension ist das für das Familieneinkommen (ausgenommen der etwas geringeren Lohnsteuer) ein Nullsummenspiel und verringert die Altersarmut nicht.

Abgehen davon, viele der Teilzeitbeschäftigten sind Alleinerzieher*innen - für sie verändert sich am Status quo dadurch gar nichts. Sie werden auch in Zukunft mit krasser Altersarmut rechnen müssen. Außerdem befürchte ich, dass das verpflichtende Pensionssplitting ein Rückschritt zu Frauen an Herd und Kind bedeutet. Warum soll die "angeblich ohnehin finanziell strapazierte öffentliche Hand" weiter in Kinderbetreuungsstätten investieren, wenn die armutsgefährdeten Frauen "absichert". Das diese dann so wieder mehr und mehr von ihren Partnern abhängig gemacht werden stört weder Marin noch Kurz, aber offensichtlich auch nicht die Grünen.

Und, wer gewinnt bei Teilzeitarbeit? Die Unternehmen! Ausgeruht in der Spitzenzeit zu arbeiten, bringt eben mehr als ausgelaugt über die ganze Woche verteilt die Arbeit zu verrichten. Und es ist ein Fakt, teilzeitbeschäftigte Menschen können flexibler, also weitaus produktiver eingesetzt werden. Dieser erhöhte Leistungsdruck könnte durch Pensionsversicherungsbeiträge berechnet vom Vollzeit- und nicht vom Teilzeitlohn ausgeglichen werden und den Profiteuren, den Unternehmen angelastet werden. So wäre trotz Teilzeitarbeit eine Vollzeitpension gesichert.

Abschließend, natürlich könnte die Problematik auch mit einer deutlichen Neuverteilung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich entgegnet werden.

Josef Stingl