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Brave new world?

Standpunkte In unserer Gesellschaft stehen sich Personengruppen mit verschiedenen Interessen gegenüber: Die Arbeitgeber (früher hießen sie ja noch Kapitalisten) habe das Interesse, dass in ihrem Unternehmen ein möglichst großer Mehrwert hergestellt wird. Die ArbeitnehmerInnen erhalten einen Lohn. Der Wert, den sie durch ihre Arbeit herstellen, ist aber meist bei weitem höher als der Lohn. Dieser Mehrwert bleibt beim Besitzer der Produktionsmittel und Besitzer der Produkte, die die ArbeitnehmerInnen hergestellt haben (bei einem Dienstleistungsbetreib verhält sich dies nicht anders). Der Mehrwert, der letztendlich den Profit für den Unternehmer ergibt, soll möglichst hoch sein, damit die ArbeitgeberInnen in der Konkurrenz mit Ihresgleichen mithalten können. Möglichst wollen sie aber selbst Maßstäbe setzen und durch Unterbieten des Preises ihrer Produkte den Wettbewerb, der unter Unternehmerinnen besteht, anführen.
Dazu ist es nötig die Produktivität in den Betrieben zu erhöhen. Dies geschieht auf zweifacher Weise. Einerseits durch Verlängerung des Arbeitstages (12-Stunden-Arbeitstag, 60-Stunden-Woche!), wodurch durch quasi fast gleichbleibendem Lohn dem Unternehmer ein höherer Profit bleibt (den ja die ‚ArbeitnehmerInnen erarbeiten) und außerdem wird die Produktivkraft der ArbeitnehmrInnen durch Installierung neuer Technologien erhöht, wodurch die ArbeitnehmerInnen mehr Produkte in der gleichen Zeit herstellen können und müssen (der Lohn bleibt gleich – der höhere Profit bleibt beim Unternehmer). Die Erhöhung der Produktivkraft durch Verlängerung des Arbeitstages sowie durch die Steigerung der Produkterzeugung in derselben Arbeitszeit durch neue Technologien führt dazu, dass ArbeitnehmerInnen den Arbeitsplatz verlieren.
Das Unterbieten durch einen billigeren Produktpreis führt dazu, dass andere Unternehmen in der Konkurrenz unterliegen (deren ArbeitnehmerInn verlieren auch den Arbeitsplatz). Das „Freiwerden“ der ArbeitnehmerInnen hat für die UnternehmrInnen wieder den Vorteil, die Lohnpreise drücken zu können.

Die ArbeitnehmerInnen verkaufen ihre Arbeitskraft und wollen von ihrem Lohn möglichst gut leben können, was aufgrund der Veränderungen am Arbeitsmarkt (12-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche), kaum möglich ist. Für die Erholung bleibt kaum Zeit. Statistiken belegen außerdem, dass - über Jahre hinweg betrachtet - der Reallohn der ArbeitnehmerInnen gesunken ist. Viele, vor allem Frauen oder Mütter, sehen sich dazu gezwungen, kein reguläres Beschäftigungsverhältnis eingehen zu können - sie gründen „Ich –AGs“ .oder sind z.B. durch Teilzeitarbeit prekär beschäftigt. Der Lohn reicht zum Leben kaum aus.
Die Anzahl der ArbeitnehmerInnen, die zusätzlich zum Arbeitslohn Mindestsicherung beantragen müssen, steigt.

Die PensionistInnen haben ihr Leben lang gearbeitet. Meist sind sie nun nicht nur krank sondern müssen feststellen, dass ihre Pensionen dermaßen gering sind, dass sie zum Leben kam reicht, Dennoch sind sie damit konfrontiert, erfahren zu müssen, dass ihre Pensionen immer noch zu hoch sind.
Vor allem Frauen, deren Leben durch die Dreifachbelastung: Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung geprägt war, erfahren nun, dass ihre Pension deshalb dermaßen gering ist, weil sie zu wenig gearbeitet haben.

Unsere Umwelt leidet unter der Produktionsweise, die aufgrund der Profitorientierung keine Rücksicht auf die Natur nimmt. Jede Rücksichtnahme: der Verzicht auf umweltbelastende Produktionsweise oder der Verzicht auf die Herstellung umwelbelastender Produkte würde eine Schmälerung von Profit oder Kapitalakkumulation innerhalb einer Nation oder Wirtschaftsraum zur Folge haben, die aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht hingenommen werden kann.
Entsprechen auch das Ergebnis der Klimaverhandlungen in Madrid. Aus einem dringenden Appell auf Rücksichtnahem auf die Natur (weniger CO2-Emissionen, weniger Belastung durch Stickoxyde) wurde eine banales Erpressen und Feilschen.

Fragt sich nur: Eine Gesellschaft wie diese - Warum überhaupt?

Gerda Pastyrik