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Zum Weltgesundheitstag 2020

Standpunkte Diesmal fällt der alljährliche Weltgesundheitstag in eine Zeit, in der das Thema "Gesundheit" so breit diskutiert wie selten je zuvor. Während der Corona-Krise rückt die Ausrüstung von Krankenhäusern an Intensivbetten und Beatmungsgeräten, Schutzmasken und Schutzkleidung in den Vordergrund. Und auch das Personal, das im Gesundheits- und Pflegebereich eingesetzt wird, erhält auf einmal einen Stellenwert in der Gesellschaft, den es zuvor selten eingenommen hat. Dabei war dieser Bereich schon immer so ziemlich einer der bedeutendsten, die es gibt. Denn die Ausstattung des Gesundheitswesens und der Zugang dazu entscheidet über Leben und Tod.

Nachdem die ersten Zahlen zur statistischen Übersterblichkeit in Italien hereinkommen, werden diejenigen Lügen gestraft, die die Corona-Pandemie als einen medialen Hype abtun wollten und allen empfehlen wollten, so weiterzumachen wie bisher. Im Gegenteil: Es braucht einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik. Das war schon vor der Corona-Krise klar. Schließungen von Krankenhäusern und die Reduktion von Intensivbetten stellen einen Abbau des Gesundheitswesens und keine Modernisierung dar. Es ist richtig, den ambulanten Bereich auszubauen und die Wohnortnähe des Gesundheitswesens zu forcieren um den Weg zur bestmöglichen Gesundheitsversorgung so kurz wie nur möglich zu gestalten. Es ist aber auch weiterhin notwendig, auch auf sehr starke Grippewellen gut vorbereitet zu sein, was nur durch einen angemessenen Bestand an Akut- und Intensivbetten möglich ist. Die noch immer relativ hohe Bettenkapazität verschafft Österreich einen massiven Vorteil bei der Bekämpfung der Corona-Krise.

Es gibt viele Leute, die in den letzten Wochen unter den einschneidenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gelitten haben und noch immer leiden. Über die Sinnhaftigkeit diverser Einzelmaßnahmen lässt sich diskutieren. Zweck und Grundsatz der meisten Verordnungen sind jedoch richtig. Eine Alternative zu den autoritär durchgesetzten Zwangsmaßnahmen wäre eine Selbsteinschränkung, die aus einer solidarischen Haltung und der Einsicht entstehen müsste, dass nur auf diese Weise ein Kollaps des Gesundheitswesens abwendbar ist. Leider sind wir da noch nicht alle soweit. Festzuhalten ist auch, dass die notwendigen Einschränkungen auch in einem direkten Verhältnis zur Stärke einer Epidemie und den Kapazitäten des Gesundheitswesens steht. Je größer die Kapazitäten des Gesundheitswesens sind, desto weniger und seltener sind derartige Isolationsmaßnahmen, wie sie uns jetzt auferlegt sind, nötig. Ein Herunterfahren der Kapazitäten im Gesundheitswesen hat somit auch negative Auswirkungen auf die Bewegungsfreiheit von uns allen.

Es wird daher die Aufgabe auch und gerade nach der Krise sein, daran zu erinnern, dass Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen tödlich enden. Es wird auch die Aufgabe sein, die Arbeit in Gesundheits- und Pflegeberufen deutlich zu verbessern, den Personalstand aufzustocken und die Arbeitszeit zu verkürzen, sodass man in einem Ernstfall noch besser ausgestattet ist als bisher. Es braucht jetzt auch ein umfassendes Sozialpaket für alle, die seit der Krise ihr Einkommen vorloren haben und nun nicht wissen, wie ihr Leben weitergehen soll. Was es nicht braucht, sind groß angelegte Rettungspakete für Banken und Konzerne, die weiterhin Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Während und nach dieser Krise wird es Aufgabe bleiben, das Scheitern der neoliberalen Logik deutlich zu machen und Alternativen aufzuzeigen.

Roland Steixner