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Irrungen, Wirrungen und Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie

Standpunkte Immer mehr Menschen machen ihrem Unmut über die Maßnahmen der Regierung gegen Covid-19 Luft. Zum einen hat sich herausgestellt, dass das Vorgehen der Regierung alles andere als rechtlich sauber war und dass weder eine Ausgangsperre noch ein Besuchsverbot bestanden hatten und auch nicht bestehen konnten. Die Regierung blamiert sich mit der Art der Durchführung der Maßnahmen. Kurz kann die Einhaltung des Distanzgebots offenbar sogar in der engsten Gefolgschaft kaum mehr durchsetzen. Dabei kann die Regierung von Glück reden, dass ein Teil der Menschen sich an die Abstandsgebote nicht einfach aus Gehorsam gegenüber dem Kanzler sondern schlicht aus Einsicht gegenüber den Konsequenzen des Zusammenbruchs des Gesundheitswesens gehandelt hat und weiter handelt. Vielen Menschen war und ist es herzlich egal, was der Kanzler sagt. Sie wissen, dass diese Pandemie eingedämmt werden muss und hören nicht auf den Kanzler sondern auf den Rat der Wissenschaft. Und diese spricht eine eindeutige Sprache.

Aber es gibt doch Expert*innen, die anderer Meinung sind, oder?

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Aufregung ist es doch schön, wenn uns ein pensionierter Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie uns u.a. auch in Servus-TV mit ruhiger Stimme erklärt, dass das Virus eigentlich ganz harmlos sei und dass der ganze Zirkus maßlos übertrieben sei. Sucharit Bhakdi hat in einer Sache zweifellos recht. Die medial vermittelten Zahlen sind verzerrt, ja müssen es sein. Denn die Infektionszahlen sind immer abhängig von der Anzahl der durchgeführten Tests. Und je mehr getestet wird, desto mehr positive Testergebnisse sind zu erwarten und daher umso mehr offiziell Infizierte. Medial werden diese publizierten Zahlen oft veröffentlicht und dann ein besonders dramatisches Bild erzeugt. Das ist natürlich wissenschaftlich nicht sauber. Aber das wissen alle Epidemiolog*innen, die damit befasst sind. Kekulé ist auf Bhakdis Einwände sogar recht ausführlich eingegangen und hat deutlich gemacht, dass die Einwände berechtigt sind, dass aber die Epidemiolog*innen im Hintergrund genau diese Zahlen ermitteln. Mittlerweile gibt es ja bereits repräsentative Erhebungen, die auch die Letalitätsrate des Virus deutlich nach unten korrigiert haben. Doch Kekulé hält fest, dass die Eindämmungsmaßnahmen sogar dann zum damaligen Zeitpunkt gerechtfertigt gewesen wären, wenn sich herausstellen sollte, dass die Fallsterblichkeit bei nur 0,2 Prozent liegen sollte, was etwa doppelt so hoch wäre, wie bei der Influenza. Die Methodenkritik Bhakdis ist somit einerseits überflüssig, weil all das was er einfordert schon längst in Arbeit war und mit der Zeit auch erste, und sehr aufschlussreiche Ergebnisse zeigt. Gleichzeitig merkt Kekulé an, dass Bhakdis Kritik an den Maßnahmen unpragmatisch ist. Denn die Regierungen mussten rasch handeln, um einen Kollaps zu vermeiden. Hätten sie auf die von Bhakdi geforderten Beweise gewartet, wäre der Schaden bereits eingetreten. Hätte der Kapitän der Titanic nach dem Zusammenprall mit dem Eisberg zuerst die Natur genauere Berechnungen über die Beschaffenheit desselben angestellt und darüber, ob das Schiff tatsächlich sinken würde, ehe er die Rettungsboote aktiviert hätte (von denen es eh zu wenige gab), dann wären wohl alle ertrunken. Diesen Vergleich führt Kekulé gegenüber der Argumentation von Bhakdi ins Feld. Und damit ist die Sache eigentlich schon vom Tisch. Drosten nennt seinen Namen nicht, wird aber beim letzten Podcast überaus deutlich: Hier äußern sich Leute zu einem Fachgebiet, in das sie nicht involviert sind. Er selbst würde sich nie in aller Öffentlichkeit zu einer Einschätzung zu einer bakteriologischen Frage versteigen, weil er die Literatur dazu nicht überblicken könne. Damit ist die Frage sofort beantwortet. Bhakdi forscht nicht zu SARS-CoV-2 und hat daher im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs keine Relevanz. Dennoch sind Bhakdis Aussagen noch verhältnismäßig seriös.


Neben Sucharit Bhakdi klärt uns mit Wolfgang Wodarg pensionierter Lungenfacharzt darüber auf, dass die Pharmafirmen mit der Impfung gegen die Schweinegrippe das große Geschäft gemacht hätten und dass eigentlich alle Warnungen heute wie damals nur deshalb passieren würden, weil sich ein paar Virolog*innen wichtig machen wollen. Dass der Arzt, der zum ersten Mal die Übertragbarkeit dieses Virus von Mensch zu Mensch festgestellt hat, die Tödlichkeit der Krankheit selbst nicht nur festgehalten hat, sondern auch noch unfreiwilligerweise im Selbstversuch demonstriert hat, ist also auch nur einem unbedeutendem und harmlosen Virus zu verdanken, das eh nur diejenigen umbringt, die eh schon mit einem Bein im Grab stehen. Auch das ist für Wodarg kein Grund, an der Harmlosigkeit von SARS-CoV-2 zu zweifeln. Denn schließlich seinen Coronaviren ja schon bisher für einen Teil der klassischen Erkältungen verantwortlich. Stimmt zwar, steht aber gar nicht zur Debatte. Das SAR-CoV-2 ist nämlich ein neu aufgetretenes Virus. Ja auch die Entstehung eines neuen Virus soll vorkommen und ist nicht spektakulär. Es ist halt nur deshalb entdeckt worden, weil es sehr viele atypische Lungenentzündungen hervorgerufen hat und man nach der Ursache gesucht hat. Aber klar: Nur ein Spleen der Virolog*innen.

Peer Eifler bekräftigt - wieder auf Servus TV - wie harmlos das Virus sei, und dass so viele „mit Corona“ stürben, anstatt „an Corona“. Wenn das medizinische Personal an den Kliniken das nur wüsste, dass die Leute ja nur „mit Corona“ sterben. Die vielen Lastwägen in Bergamo zum Abtransport der Leichen waren auch normal? Die kubanischen Ärztebrigaden werden nach Italien und Andorra gebeten wegen einer harmlosen Erkältung? Sicher sind sowohl das italienische als auch das spanische Gesundheitssystem kaputtgespart, aber wenn die Involvierten sagen, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten, dann heißt das ja nichts. Denn wenn das Personal sagt, dass es so etwas noch nie erlebt hat, dann dürfe man dem nicht glauben, weil das ja dauernd jammert, so Wodarg. Man kann sich die Fakten immer zurechtlegen und sie passend machen.

Mit dem Internisten Claus Köhnlein und Bodo Schiffmann von der Schwindelambulanz Sinsheim und Christian Fiala, der sich ebenfalls für ein sofortiges Ende sämtlicher Maßnahmen ausspricht, ist doch eine ordentliche Anzahl von Expert*innen zu finden, die anderer Meinung sind und die wir gefälligst auch berücksichtigen müssen. Oder?

Andere Todesursachen?

Zunächst war die Übersterblichkeit im der Europäischen Mortalitätsstatistik nicht abzulesen. Darauf haben die „Skeptiker“ wochenlang herumgeritten, obwohl klar war, dass die Daten mit Verzögerung kommen würden. Dann war sie sichtbar, die Übersterblichkeit. Zunächst in Italien. Alarm für die Corona-Leugner! Sie mussten sich andere Erklärungen aussuchen. Denn zuzugeben, dass man sich geirrt haben könnte, geht nicht. Was bietet denn Bhakdi für eine plausible alternative Erklärung für die doch statistisch signifikante Anzahl der Verstorbenen in Italien, die auch er nicht mehr leugnen kann? Die Luftverschmutzung in der Po-Ebene! Aber warum sterben die Leute dann zwar in Italien haufenweise aber nicht im Ruhrgebiet? Ist die Luft in Bergamo 2020 so viel schlechter als 2019 oder 2018? Und ist sie in Mailand und Turin besser als in Bergamo? Und wenn das Virus so unbedeutend an der Todesursache ist, warum sterben so viele angeblich rein zufällig "mit Corona"? Die Erklärung, dass es etwas mit diesem Virus zu tun hat, doch die plausibelste. Dass zusätzlich noch einige Leute schlicht deswegen starben, weil das Gesundheitswesen überlastet ist, ist klar, aber eben ein Nebeneffekt. Ebenso die Krankenhauskeime, die mensch sich in der Klinik noch holen kann. Aber jetzt wird von den Corona-Kritikern eine Taktik angewandt die so einfach wie durchschaubar ist: Alles andere wird zur Ursache erklärt, um nur ja den Zusammenhang zwischen dem Virus und den Erkrankungen zu verwischen. Mittlerweile ist ohnehin bekannt, dass SARS-CoV-2 die Gefäße angreift. Folglich sind Thrombosen und Infarkte als Todesursache tatsächlich in Zusammenhang mit Covid-19 zu sehen. Übrigens ist mittlerweile bekannt, dass auch eigenartige Gefäßerkrankungen bei Kindern, die dem Kawasaki-Syndrom ähneln, im Zusammenhang mit einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu setzen. Dieses neuartige Multi-entzündliche Syndrom (MIS-C) wird wohl durch eine übersteigerte Immunabwehrreaktion hervorgerufen. Offenbar dauert es Monate bis ein immer detaillierteres Krankheitsbild von Covid-19 gezeichnet werden kann.

"An AIDS" stirbt man nicht

Übrigens gibt es eine Krankheit, an der noch niemand gestorben ist: AIDS. Da das HI-Virus das menschliche Immunsystem zerstört, sterben die Erkrankten an Infektionen, die sich sonst niemand mehr einfangen kann. Die Menschen sterben an opportunistischen Infektionen, aber nicht direkt unmittelbar an der Folge der HIV-Infektion. Heute ist das alles bekannt und mittlerweile können HIV-Infizierte ein praktisch normales Leben führen, wenn sie entsprechende antiretrovirale Medikamente bekommen. Die HIV-Pandemie, die seit den 80er-Jahren andauert und rund 32 Millionen Tote gefordert hat, hat für viele ihren Schrecken verloren. Und zwar, weil es heute möglich ist, das Virus auch dann wieder zurückzudrängen, wenn AIDS schon ausgebrochen ist. Das ist nur möglich, weil Virolog*innen hier die Medikamente entwickelt haben, nachdem sie das Virus und dessen Wirkung genau erforscht hatten. Keiner der oben genannten Experten wird jemals einen Beitrag dazu leisten, dass Patient*innen mit Covid-19 gesund werden. Das interessiert sie nicht.


Im Gegenteil: Zwei der oben genannten Experten zeichnen sich dadurch aus, dass sie AIDS-Leugner sind. Köhnlein und Fiala haben sich dadurch einen zweifelhaften Ruhm eingeheimst, dass sie gemeinsam mit Peter H. Duesberg in Kontakt mit dem damaligen Präsidenten von Südafrika, Thabo Mbeki, standen und ihn und seine Gesundheitsministerin dahingehend instruiert haben, den AIDS-Patient*innen Obst und Gemüse als Medizin zu verabreichen. Denn das Krankheitsbild das laut ihrer Ansicht fälschlicherweise für AIDS gehalten werde, rühre von einer mangelhaften Ernährung. Die Patient*innen wurden nicht mehr behandelt und starben. Gleichzeitig wurden weitere Leute infiziert, die davor hätten geschützt werden können. Ignoranz kann eben tödlich sein. Und das war nicht in den späten 80er-Jahren, sondern in der Zeit zwischen 1998 und 2008.

So wie die Krankheit AIDS ihre Leugner*innen fand und noch immer findet, so hat auch Covid-19 eine Leugner-Gemeinde hinter sich. Und dabei ist es unerheblich, welche Verdienste sich diese Leugner*innen ansonsten angehäuft haben. Die AIDS-Leugner*innen können mittlerweile mit dem Nobelpreisträger Luc Montagnier praktisch den Entdecker der HI-Virus fast zu ihren Reihen zählen. Im AIDS-Leugner-Film House of Numbers äußert sich dahingehend, dass das Virus für Menschen mit einem starken Immunsystem ungefährlich sei und dass eine Spontanheilung durch eine Stärkung desselben möglich sei.

Jetzt behauptet derselbe Luc Montagnier übrigens, dass das Corona-Virus künstlich in einem Labor erschaffen wurde. Und zwar will er das damit begründen, dass das Virus eine RNA-Sequenz enthält, die für die menschlichen Coronaviren nicht typisch ist, sich aber im HI-Virus findet. Man schleuste also in die RNA des Coronavirus künstlich eine Sequenz eines Virus ein, das angeblick laut Montagnier gar nicht nicht so gefährlich sei, um es tödlich zu machen. Klar. Das Virus ist natürlich eine böse Krankheit, aber von einer perfekten Biowaffe würde man sich schon andere Eigenschaften wünschen. Aber womöglich war das Virus ja eine heimtückische Erfindung der Pensionskassen.

Die aktuell aufkeimenden Proteste gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mögen bisweilen tatsächlich Fehler der Politik im Zusammenhang der Pandemiebekämpfung ansprechen, nähren sich aber in erster Linie aus der Ansicht, dass das Virus selbst entweder ein Fake oder lediglich eine Petitesse sei.

So falsch und absurd die dort vertretenen Ansichten auch sein mögen, so legitim sind sie in Hinblick auf die Demonstrationsfreiheit. Problematisch wird es allerdings dann, wenn diese Proteste deshalb zur Verbreitung des Virus und somit auch zu schwer Erkrankten und sogar Toten führen, nur weil sich die Beteiligten nicht an die Abstandsregeln halten. In diesem Falle würde wohl die Widerlegung einiger der abstrusen Thesen der Teilnehmer*innen durch das Virus selbst erfolgen.

Roland Steixner



https://www.youtube.com/watch?v=xc-e8zaxicQ

https://www.youtube.com/watch?v=3duErFbfFM0

https://www.youtube.com/watch?v=IeW0mOFG9v0

https://www.ndr.de/nachrichten/info/4...81130.html

https://www.youtube.com/watch?v=q4LsW4HbYww

https://correctiv.org/faktencheck/hin...-vertrauen

https://www.presseportal.de/pm/6561/4555831
https://www.derstandard.at/story/2000...down-sturm

https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps/

https://www.youtube.com/watch?v=MARVdS-pHdQ

https://www.youtube.com/watch?v=JBB9bA-gXL4

https://www.deutsche-apotheker-zeitun...e-gefaesse

https://www.derstandard.at/story/2000...ei-kindern

https://www.unaids.org/en/resources/fact-sheet

https://en.wikipedia.org/wiki/HIV/AID...uth_Africa

https://www.profil.at/home/der-aids-m...ung-272477

https://www.youtube.com/watch?v=tKyIBYKoT20

https://correctiv.org/faktencheck/202...eingefuegt

https://www.merkur.de/welt/coronaviru...61655.html