Willkommen bei KPÖ Tirol 

Porcopolis, Tönnies & Co

Standpunkte Was es nicht alles gibt im wundersamen Europa. Auf griechischen Inseln werden Flüchtlingsmenschen auf engstem Raum eingepfercht und wie Vieh behandelt. Aber das tangiert kaum unsere PolitikerInnen. Was unter Türkisblau fröhliche Urständ gefeiert hat, wird ohne großes Aufmucken von Türkisgrün fortgesetzt und 0 werden hier aufgenommen. Dagegen sind trotz Corona Seuche ErntehelferInnen aus dem Osten hergekarrt worden, um uns im Frühling und Sommer mit Vitaminen zu versorgen. Mitten im Abflauen der Viruskrise kommt nun der große Knaller aus Deutschland. Ein Megafleischfabrikant hat es doch zu weit getrieben. In seiner Fließbandfabrik sind mehr als 1400 ArbeiterInnen an Corona erkrankt. So ein entlarvendes Pech aber auch. Was hierbei aufgedeckt worden ist, lässt sogar dem braven Bürger das Blut in den Adern gefrieren, und nicht nur den Schweinen dort, die zack zack zack abgemurkst, aufgehängt und zerteilt werden. Mehr als 25 000 am Tag. Eine monströse Zahl. In den Hallen ist es schön kühl und man steht dicht an dicht ohne Schutzvorkehrungen. Ein Leckerbissen für den furchteinflößenden Virus. Man erfährt nebenbei, wie diese Mannen gehaust haben. Teilweise haben sich mehrere Arbeitssklaven eine Matratze geteilt, dank der unterschiedlichen Schichtzeiten. 7 auf einen Streich, dh in einem Zimmer. Die schlauen Vermieter haben sich an ihnen eine goldene Nase verdient. Der Clou an der Geschichte: das Schweinesystem hat hervorragend funktioniert mit Werkverträgen und Subunternehmen. Gewusst wie. Der clevere Oberkapitalist  hat den damaligen SPD Minister  Gabriel als Berater für einen Haufen Kohle in seinen blutigen Hallen empfangen, ist Intimus einer stattlichen Politikerriege und last but not least Sponsor von Schalke 04. Klar ist so ein Erfolgsmensch auch unter den100 reichsten Deutschen. Aber nun wird er wie ein heißer Erdapfel fallen gelassen. Schuld daran ist nicht der Bossa Nova, sondern Corona. Das war auch den Wohlmeinendsten des Guten zuviel. Ein Auge zudrücken ist gang und gäbe in unsren Schmiergeldstaaten, aber völlig blind die Schuld bei den rumänischen ArbeiterInnen suchen, dann doch nicht. Und alle starren nun ängstlich auf das AMA- und sonstige Gütesiegel und fragen sich, ob das Virus sich wohl auch auf dem leckeren Saufleisch halten kann. Und das Schnitzel muss halt bitte billig bleiben. Dafür sorgen zum fragwürdigen Glück auch heute noch Aldi, Hofer, Lidl usw und auch MPreis dafür. Die absolut inhumane Ausbeutung der ArbeiterInnen ist nebensächlich und wird langsam aber sicher vergessen. Das ist eben so, meint man schulterzuckend. Als wären das Menschen zweiter Klasse. Dazu passt auch, dass Minister Anschober jetzt schnell die hiesigen Prekaristen, nämlich Asylwerber und Leiharbeiter, durchtesten lassen will. Kein Wort davon, das ganze Schweinesystem infrage zu stellen, geschweige denn zu verändern, das überhaupt so ein menschenverachtendes Prekariat ermöglicht. Dh, die Arbeitsbedingungen bleiben dieselben. Vielleicht wird hier und da ein wenig geschönt, aber im Grunde wird dieses System beibehalten. Dasselbe gilt für diejenigen, die geholfen haben, die sogenannten HeldInnen des Alltags. Sie wurden vollmundig gelobt und werden nun kleinlaut vergessen. Denn das ist die Crux: die heilige Kuh namens Kapitalismus mit ihren Auswüchsen wird nicht angetastet und darf weiter getrost profitorientiert für einige Wenige weiterwurschteln, ohne auszubluten. Und die blöden Politikercharaktermasken sind willfährige Handlanger. Und das für bissl Macht und Geld. Muss das schön sein. Kapitalismus und Schweinerei sind eine gute Ehegemeinschaft. Aber was Menschlichkeit nicht schafft, schafft vielleicht doch dieses winzige Ding....

Sylvia Dürr