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Arm, ärmer, Tirol...

PressespiegelAls selbsternannter „Schwarzer Rabe“ verweist Tirols Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer allzu gern auf die österreichweit überdurchschnittliche Wirtschaftsperformance im heiligen Land Tirol. Aber jetzt hat das Institut für höhere Studien (IHS) eine Studie über die Tiroler Einkommenssituation veröffentlicht. Sie verdeutlicht sehr genau, wer „Tirols Wirtschaftswunder“ bezahlt.

Working Poor, also Armut trotz Arbeit, greift in Tirol immer mehr um sich. 85.000 Tiroler Lohnabhängige, also rund ein Viertel aller, haben ein Einkommen unter der Arbeitsschwelle. Besonders Frauen werden bei der „Bezahlung ihrer Arbeitsleistung“ besonders ausgebeutet. 37 Prozent (!) aller weiblichen Arbeitsverhältnisse liegen mit ihrem Einkommen unter der Armutsgrenze. Aber auch in den „unteren Weihen der Wirtschaft“ ist die Luft zum Leben zu dünn. Den meisten der Ein-Personen-Unternehmen geht es alles andere als gut.

Die Studie zeigt sehr deutlich, dass dies vor allem für die betroffenen Frauen zur Abhängigkeit führt. Im Haushaltsverbund betrachtet, bleiben nämlich aus den 85.000 Armutsgefährdeten „nur“ mehr 57.000. Und wir Steuerzahler_innen bezahlen nochmals für die Schandlöhne der Wirtschaft. Werden alle Sozialleistungen berücksichtigt, senkt sich die Zahl der Betroffenen auf knapp 18.000.

Die SPÖ hat recht, wenn sie dringenden Handlungsbedarf sieht. Ihr Klubobmann Gerhard Reheis hat recht, dass es wenig nützt, wenn man sich damit brüstet, dass die Arbeitslosigkeit in Tirol sinkt, wenn sich die Menschen hier trotz Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt nicht mehr leisten können. Allerdings war er selbst jahrelang Soziallandesrat und die Armutsentwicklung ist kein wirkliches Ding seit Schwarz/Grün. Warum wird schon lange nicht mit einem gesetzlichen Mindestlohn dagegen angekämpft? Glauben SPÖ, FSG und Reheis wirklich, dass die 1.500 Euro KV-Lohn bis 2020 das Problem nur im Ansatz verändert? Keinesfalls!

Auch mit der kalten Progression ist’s bei den Sozialdemokrat_innen so eine Sache. Sie sind gegen ein automatisches Modell. Das sei ungerecht, weil die Reichen davon auch profitieren würden. Es muss daher einen Umverteilungsmechanismus von Oben nach Unten mit installiert werden. Völlig richtig. Wenn allerdings die Diskussion und die Beschlussfassung darüber jahrelang hinausgezögert wird, gibt es nur einen Gewinner, nämlich den Finanzminister. Den höheren Einkommensbereichen wird’s nicht weh tun, den unteren Einkommensbezieher_innen allerdings sehr. Ihnen geht im Kampf ums Überleben jeder Cent ab.

Ja, ja aber der liebe (oder derzeit ach so böse) Regierungspartner lasse das eben nicht zu. In aller „Freundschaft“ gegen den Klassenkampf von Oben, gibt s nur ein profanes Mittel: Klassenkampf von Unten!

Josef Stingl

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