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Brot und Spiele

Standpunkte von Sylvia Dürr
Man kann ja verstehen, dass Krimis gern gesehen und gelesen werden, sorgen sie im desweilen öden Alltag doch für manchen Thrill und wohlige Gänsehaut. Anders verhält es sich allerdings bei wahren Horrorgeschichten, die von realen Personen erlitten wurden. Diese Verbrechen werden dankbar von Medien aufgenommen und hochgepuscht, die Opfer nicht selten von Sensationsjournalisten belästigt. Warum das alles? Weil scheinbar das Verbrechen den Menschen höllisch interessiert, auch die Motivation des Täters und die Gefühle des Opfers. Der Zeitungsleser oder Fernsehende kann sich gemütlich zurücklehnen mit dem gruslig guten Gefühl, dass es ihn nicht erwischt hat. Die Sensationslust geht aber noch einen Schritt weiter, wie im sogenannten Goldmord, bei dem Platzkarten ausgegeben werden müssen für die Verhandlung. Dabei sein ist alles. Und nun der Film Kampusch, bei dem unter vermeintlich verständisvoll subtilem Deckmäntelchen die Qualen des Mädchen dargestellt und ausgebreitet werden. Muss der Mensch das sehen? Was denken sich die Macher dabei, abgesehen von den Einnahmen, die der Film sicherlich einspielen wird. Ob in der Arena, im Gerichtssaal oder im Kino. Es gilt immer noch der Slogan: Brot und Spiele! Mittlerweile leben wir in einem Zeitalter des gläsernen Menschen, der seine Intimsphäre verloren und nach außen - mehr oder weniger freiwillig-abgegeben hat. Diese wird breitgetreten und ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Übrig bleibt die Scham.