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Ein Contra zum "Anti-Raucher-Volksbegehren"

PressespiegelDie Diskussion um das don't smoke Volksbegehren treibt seltsame Blüten, und daran hat auch die Linke ihren Anteil, die nicht wirklich damit umzugehen weiß.

Da wird mit Eifer und großer Freude und dem guten Gefühl auf der richtigen Seite zu stehen (schließlich geht es um die Gesundheit, und es geht darum der FPÖ eins auszuwischen), direkt-demokratisch gegen RaucherInnen Stimmung gemacht, es wird ein Feindbild geschaffen und strapaziert (die RaucherInnen verschmutzen die Umwelt und machen die Nicht-Raucher krank), dass es nur als konsequent und logisch erscheinen lässt, wenn dieses Übel - demokratisch legitimiert- in die Schranken verwiesen wird (komplettes Rauchverbot in allen Gastronomiebetrieben!). Und niemand zweifelt am Erfolg des Projekts, darf doch die Mehrheit (die Nichtraucher) über die Minderheit (die Raucher) entscheiden. Der Volkswille kann nicht ignoriert werden, der Sündenfall der direkten Demokratie par excellence. Da macht es auch Sinn und ist entlarvend, dass alltagssprachlich und in den Medien das Volksbegehren als „Anti-Raucher“ (sic!) Volksbegehren bezeichnet wird!

Tatsächlich geht es beim Volksbegehren eben nicht um gesundheitspolitische Maßnahmen zum NichtraucherInnenschutz, dafür würden sich Förderungen und Unterstützungen für freiwillige rauchfreie Bedingungen wesentlich besser eignen als Verbote, dafür gibt es ausreichend Evidenz! Bestenfalls geht es beim Volksbegehren um eine Strafaktion einer zunehmend puritanisch-lustfeindlichen Gesellschaft gegen jene, die die zeitgeistig verordnete Gesundheitshysterie nicht mitmachen wollen (oder können!) und für die es neben Fitness und Sport auch noch andere Parameter einer Freizeit- und Lebensgestaltung gibt. Mit Sicherheit aber geht es um eine (auch wenn von vielen UnterstützerInnen nicht beabsichtigte) Diskriminierung und Stigmatisierung von Suchtkranken, bzw. ist das eine der konkreten Auswirkungen. RaucherInnen sollen nach Möglichkeit aus dem Bild der Öffentlichkeit verbannt werden, zunächst aus den Bars, Cafes und Restaurants auf die Straße vor die Lokale, wo sie weithin sichtbar von PassantInnen mitleid- bis ekelerregend bestaunt werden können, später vielleicht dann ganz aus dem Blickfeld (auf irgendwelche Hinterhöfe oder in die eigenen 4 Wände), so wie man es schon mit anderen Suchtkranken vorgemacht hat (die Vertreibung der Opiatabhängigen aus dem Rapoldipark oder Bahnhof, der Alkoholkranken aus der Maria-Theresien Straße oder Altstadt). Suchtkranke werden zu konkreten, sichtbaren Feindbildern in einer unübersichtlich, komplex bedrohten Welt. Das macht schnelle Lösungen greifbar und die Welt erträglicher. Dass Suchtkranke selbst Opfer von krankmachenden Lebens-und Arbeitsbedingungen sind, wird nicht thematisiert. Sucht ist eine chronische Erkrankung und eine Heilung ist bei Nikotinabhängigkeit nicht leichter als bei Heroin. Und es wird nicht leichter, wenn per Plebiszit darüber bestimmt wird, welche Rechte, Freiheiten oder eben welche Einschränkungen RaucherInnen hinzunehmen haben. Dass gesellschaftliche Ausgrenzung krank macht und eine Gesundung erschwert, ist in zahlreichen sozialpsychiatrischen Studien nachgewiesen. Aus suchtmedizinischer Sicht ist die aktuelle Diskussion ein wirksamer Beitrag dazu und steht in Widerspruch zu einer demokratischen Gesundheitspolitik.

Ekkehard Madlung-Kratzer

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