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Gedanken zum internationalen Frauentag

Pressespiegel Am 27.8.1910 schlug Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Das Datum war jedoch noch nicht festgelegt. Am 8. März 1917 (nach dem im damaligen in Russland verbreiteten Kalender der 23. Februar) streikten in St. Petersburg Arbeiter-, Soldaten- und Bauernfrauen und lösten damit die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen im revolutionären Russland wurde der 8. März auf der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz kommunistischer Frauen in Moskau 1921 zum internationalen Frauentag erklärt.

Seit der Einführung des Frauentages sind also fast 100 Jahre vergangen. Seither ist in einigen Bereichen die Gleichberechtigung von Frauen weit vorangeschritten. Dennoch sind einige Forderungen der damaligen Frauenbewegung auch heute noch nicht umgesetzt. Noch immer verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer. "Frauenarbeit" ist generell schlechter bezahlt und Frauen wird noch immer der Großteil der unbezahlten Arbeit aufgehalst, wie etwa Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen.

Wenn Alice Schwarzer, die jüngst aus anderen Gründen im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stand, dafür plädiert, diesen Tag zu streichen, dann plädiert sie auch dafür, die Geschichte der Frauenbewegung wegzuwischen. Natürlich ist die Begehung dieses Tages ein Zeichen, dass die Forderungen der Frauenbewegung noch immer nicht erfüllt sind. Und in einer Zeit neoliberaler Zurichtung wird der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen zuweilen kleiner, aber nicht weil die Löhne der Frauen auf das Niveau der Männer ansteigen würden, sondern weil auch die Arbeitsverhältnisse der Männer zunehmend prekärer werden. Die Löhne werden nach unten angeglichen. Die Arbeitsverhältnisse werden "hausfrauisiert".

Das Patriarchat als Gesellschaftsform ist nicht überwunden. Daran ändern auch Frauen in Führungspositionen nicht. Die Logik des Patriarchats bleibt noch immer bestehen. Die Logik der Gewalt, die Logik des Krieges und die Logik der Ausplünderung von Mensch und Natur. Unter diesem Gesellschaftssystem leiden nicht nur Frauen sondern auch Männer. Und daher sollen den 8. März auch Männer begehen.

Denn linke Politik ist feministisch oder sie ist nicht.

Roland Steixner