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Gedanken zum Weltgesundheitstag (7. April)

PressespiegelGesundheit ist ein Menschenrecht. Dies hält die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 in Artikel 25 unmissverständlich fest:

„Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Lebenshaltung, die seine und seiner Familie Gesundheit und Wohlbefinden einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztlicher Betreuung und der notwendigen Leistungen der sozialen Fürsorge gewährleistet; er hat das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Verwitwung, Alter oder von anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.[...]“

Daher muss die bestmögliche medizinische Versorgung allen Menschen zugutekommen und nicht nur denen, die es sich leisten können. Auch wenn die österreichische Gesundheitsversorgung relativ engmaschig ist, gibt es wesentliche Kritikpunkte am bestehenden System:
Es ist tatsächlich möglich, in Österreich ohne Versicherungsschutz dazustehen und damit von einem elementaren Menschenrecht auf Gesundheitsversorgung ausgeschlossen zu sein. Wer sich selbst freiwillig versichern muss, erlebt dass das Gesundheitssystem nicht so solidarisch ist. Denn wer sich selbst nach längerer Zeit ohne Versicherungsschutz versichern möchte, muss mindestens sechs Monate einen Beitrag von derzeit üblicherweise 418,69 Euro monatlich berappen, um einen Anspruch auf Leistung zu erwerben. Denn sofortigen Anspruch auf Sachleistungen (d.h. ärztliche Hilfe, Heilmittel, Anstaltspflege) hat nur, wer in den letzten zwölf Monaten mindestens 26 Wochen versichert war. Dieser Umstand müsste sofort behoben werden, selbst wenn er nur wenige Menschen betrifft. Diese trifft er aber mit voller Härte. Elementare medizinische Versorgung muss ausnahmslos für alle Menschen gewährleistet werden. Unabhängig von ihrem aktuellen Status.
Medizinische Versorgung ist in Österreich eine Zweiklassenversorgung. Ein Blick auf die Gesundheitsausgaben der Statistik Austria verrät, dass knapp drei Viertel der Gesundheitsleistungen von der öffentlichen Hand bezahlt werden. Den Rest müssen die Menschen selbst bezahlen. Nun mag Mensch einwenden, dass es sich dabei um einen Luxus handle, den die öffentliche Hand nun wirklich nicht finanzieren könne. Doch so einfach ist es nicht. Gerade in Innsbruck können gerade Frauen ein Lied davon singen, dass es auf dem Gebiet der Gynäkologie kaum Kassenärzt_innen gibt. Eine Arztwahl ist also nicht gegeben. Außerdem muss die Kosten für eine Psychotherapie selbst tragen, wer nicht gerade das Glück hatte, einen Modellplatz zu haben.
Medizinische Versorgung ist eben nicht immer barrierefrei. Lange Wege und lange Wartezeiten schrecken davor ab, medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Gerade in akuten Fällen wird der Mangel besonders deutlich. Menschen mit psychischen Problemen und Suchtkranke spüren den Versorgungsmangel besonders.
Öffentliche und private Ausgaben für Gesundheit und Pfege und die Investitionen auf diesem Gebiet betrugen im Jahr 2016 insgesamt 11,2 Prozent des BIP. Diese Ausgaben sind in den letzten Jahren im Verhältnis zum BIP nur geringfügig angestiegen. Von einer Explosion der Gesundheitskosten kann nicht die Rede sein. Die laufenden Gesundheitsausgaben liegen in Österreich zwar mit 10,4 Prozent des BIP zwar etwas über dem OECD-Schnitt (9 Prozent), ist aber dennoch nicht übermäßig hoch. Dass privat keineswegs effizienter als der Staat ist, wird dadurch deutlich, dass die USA mit 17,2 Prozent des BIP nicht gerade dafür bekannt ist, allen Menschen den Zugang zu grundlegenden medizinischen Leistungen zu gewähren. Kuba ist dagegen dafür bekannt, über eine hohe Ärzt_innendichte zu verfügen und allen seinen Bewohner_innen eine kostenlose wohnortnahe und bestmögliche Gesundheitsversorgungen zu gewährleisten, auch wenn bisweilen ein Mangel an adäquaten Medikamenten besteht. Gemessen an der geringeren Wirtschaftskraft ist es freilich erstaunlich, dass die Kosten des kubanischen Gesundheitssystems 2014 11,1 Prozent des BIP betrugen. Wenn eine Gesellschaft allerdings ein umfassendes und effizientes Gesundheitssystem will dann muss sie gut ein Zehntel ihrer Wertschöpfung investieren, um die Gesundheits- und Pflegeleistungen solidarisch zu organisieren. Aufgrund der Höchstbeitragsgrundlage ist die Beitragserhebung der Sozialversicherungen nicht proportional zum Einkommen, sondern regressiv. Wer mehr verdient, zahlt einen geringeren Anteil des Einkommens ein. Daher sind zur umfassenden Ausfinanzierung der Gesundheitsleistungen diese Höchstbeitragsgrundlagen abzuschaffen. Wenn die Spitzenverdiener_innen ihren solidarischen Beitrag zum Gesundheitssystem leisten, könnte dann das Viertel der bislang privat bestrittenen Gesundheitsleistungen vergesellschaftet werden. Außerdem müsste in den Ausbau von Primärversorgungszentren investiert werden, die den Menschen wohnortnah und am besten rund um die Uhr zur Verfügung stehen, damit das Menschenrecht auf Gesundheitsversorgung für alle jederzeit und unmittelbar erlebbar wird.

Roland Steixner

https://www.news.at/a/oesterreichs-ge...en-8985185

https://de.theglobaleconomy.com/Cuba/...nt_of_GDP/

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