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Gesundheit ist nicht nur Sache von ÄrztInnen, Pflegepersonal, Medikamenten und Spitälern

Sozial Die KPÖ-Tirol-Antworten auf die Fragen der ÄrztInnenzeitung "Medical Tribune":
Wie möchte Ihre Partei die durch die Gesundheitsreform vereinbarte Kostendämpfung in Tirol erreichen und wie wird sich das auf die Versorgung auswirken.
Ein öffentliches Gesundheitssystem ist billiger als ein privates. In den USA wurden 2008 rund 7.500 Dollar pro Person und Jahr für Gesundheit ausgegeben. In Österreich dagegen nur 3.900. Während man in den USA 16% des Bruttoinlandsprodukts für Gesundheit aufwendet, sind es in Österreich nur 10%. Und ein öffentliches Gesundheitssystem ist auch besser als ein privates. Während in Österreich die Menschen durchschnittlich 71,4 Jahre in guter Gesundheit verbringen, tun sie dies in den USA nur 69,3 Jahre lang. Gibt es in Österreich 6,1 Betten auf Intensivstationen pro 1.000 Personen, sind es in den USA nur 2,7. Wir sind der Meinung: Das Gesundheitssystem muss noch verstärkt auf Solidarität beruhen. Es ist als öffentliche Dienstleistung zu organisieren. Um die Finanzierung auch in Zukunft zu sichern, sollten hohe Einkommen, Gewinne und Vermögen vermehrt besteuert werden. Ein öffentliches, auf einer solidarischen Umverteilung basierendes System kann auch in Zukunft allen in Österreich Lebenden eine Versorgung auf hohem Niveau ermöglichen.

In Tirol zeichnet sich ein Ärztemangel im niedergelassenen Bereich, aber auch an den Krankenhäusern ab. Welche Strategien schlägt dagegen ihre Partei vor?
Gesundheit braucht Personal und Einrichtungen. Wir wehren uns gegen Schädigung der Spitäler und unserer Gesundheit durch Personalabbau und Outsourcing. Wir fordern stattdessen: Ausbau der öffentlichen Versorgungseinrichtungen. Bei ÄrztInnen ist ein Personalmangel absehbar, in der Pflege besteht er bereits. Wir fordern daher auch eine Ausbildungsoffensive in der medizinischen Ausbildung (was die Abschaffung von Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium einschließt) sowie bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich.

Sollen die Leopold-Franzens-Universität und die Medizinische Universität Innsbruck wiedervereint werden? Was ist dabei für ihre Partei das wichtigste Argument?
„Die Hochschullandschaft in Tirol ist eine einzige Baustelle", meint SP Landtagsvizepräsidentin Gabi Schiessling. Sie hat recht, nur mit einer Wiedervereinigung der Medizinischen Universität Innsbruck mit der Leopold Franzens Universität zur Verhinderung von „Unmengen von finanziellen Mitteln, die in den Doppelstrukturen versickern“ ist es nicht getan. Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze, ein mehr an Forschung und die Verbindung der medizinischen Ausbildung mit der Pflegewissenschaft. In diesem Sinne sind wir für die Zusammenführung beider Innsbrucks Universitäten, inklusive einer Eingliederung der Noch-Privat-Universität UMIT.

Grundsätzlich merken wir noch an, dass wir Gesundheit nicht nur als Sache von ÄrztInnen, Pflegepersonal, Medikamenten und Spitälern sehen. Sie umfasst alle Lebensbereiche. Burn-Out, Depressionen und andere psychische Belastungen zeigen: Die von Profit und Konkurrenz getriebene und in globalem Maßstab organisierte Wirtschaftsweise macht krank. Gesundheit braucht deshalb auch eine gerechtere Verteilung von Arbeit sowie eine echte Demokratisierung und Entschleunigung der Arbeitswelt. Studien zeigen, dass Armut, mangelnde Bildung und hierarchische Strukturen zu Krankheit führen. Ungesunde Ernährung, Stress, wenig Bewegung, unbefriedigendes Sozialleben, Gewalt und ungleicher Zugang zu Erholungsmöglichkeiten und Wissen hängen eng mit der globalisierten Ökonomie zusammen. Wir fordern daher bessere Bedingungen für andere Wirtschaftsweisen, die auf Solidarität, Kooperation und Gemeinwohl basieren, sowie eine Umverteilung von Oben nach Unten.