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Eine Schule für ALLE!

Bildung KPÖ-Spitzenkandidat Roland Steixner antwortet auf die Fragen des Vereins "Integration Tirol":
Wie steht Ihre Partei generell zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung?
Die KPÖ steht der U-Konvention generell positiv gegenüber. Bund und Länder müssen die darin definierten Rechte unverzüglich umsetzen.

Über 100 Organisationen, Vereine und Interessensvertretungen von Menschen mit Behinderung fordern wie auch der Monitoringausschuss eine wesentlich raschere Umsetzung der Menschenrechtskonvention als bisher. Welche Umsetzungsschritte erscheinen Ihrer Partei als besonders vordringlich und bis wann wollen Sie diese umgesetzt haben?
Dass Kinder mit Behinderung nicht in Sonderschulen abgeschoben werden und dass der öffentliche Verkehr für Menschen mit Behinderung nicht weiter ein Hindernislauf ist. Ersteres sollte ab kommenden Herbst umgestellt werden. Bei letzterem sollten unverzüglich die betroffenen Menschen und die Interessensgruppen miteinbezogen werden, um bauliche Verbesserungen zur Gewährleistung der Barrierefreiheit so bald als möglich durchführen zu können. Laut Statistik Austria gab es in Tirol im Schuljahr 2009/10 1.264, im Schuljahr 2010/11 1.316 und im Schuljahr 2011/12 1.351 SonderschülerInnen. Wie erklären Sie sich diesen Anstieg vor allem in Anbetracht der ständig sinkenden Anzahl an PflichtschülerInnen?
Der Anstieg lässt sich dadurch erklären, dass es seitens der Politik noch immer keine Bemühungen gibt, Kinder mit Behinderung in gemischte Klassen zu integrieren.

Ein wesentlicher Artikel in der UN-Konvention ist die „inklusive Bildung“, die der Entfremdung unserer Kinder entgegenwirken, mehr Bildungsgerechtigkeit und individuelle Förderung für ALLE Kinder ermöglichen soll. Welche inhaltlichen und organisatorischen Veränderungen an Tirols Schulen schlagen Sie vor, den Artikel 24 konkret umzusetzen?
Es muss uns etwas wert sein, dass Kinder mit Behinderung nicht in die Sonderschule abgeschoben werden. Dafür braucht es mehr als eine Lehrkraft pro Klasse und Fach. Außerdem müssen diese Lehrkräfte entsprechend ausgebildet sein, um den Bedürfnissen der Kinder mit Behinderungen gerecht zu werden. Das kostet natürlich Geld, das allerdings in einem der reichsten Länder der Welt durchaus vorhanden ist, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist. Es ist ohnehin schon längst an der Zeit, dass in den Schulen mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird. Das betrifft sowohl Kinder mit als auch Kinder ohne Behinderungen. Wenn derzeit ein Drittel aller SchülerInnen private Nachhilfe in Anspruch nehmen muss, dann ist das ein ernstzunehmendes Signal dafür, dass unser Bildungssystem gründlich reformiert werden müsste. Daher ist die KPÖ für die Einführung einer Gesamtschule, wobei die Klassenschülerzahlen auf maximal 20 Schüler pro Klasse zu begrenzen ist. Zusätzlich sollten pro Klasse auch noch Stützlehrer zur Verfügung stehen.

Der „Stufenplan“ der Lebenshilfe Österreich sieht vor, dass ab sofort keine neuen SchülerInnen an Sonderschulen aufgenommen werden und diese in inklusive Schulen umgewandelt werden. Welchen Zeitplan hat Ihre Partei, den Artikel 24 umzusetzen?
Die Sonderschulen können nur entweder vollkommen aufgelassen werden, oder in inklusive Schulen umgewandelt werden. Will ich ersteres, dann sind die Schulen unverzüglich aufzulassen, sobald die inklusiven Schulen geschaffen sind, in denen hinreichend Kapazitäten vorhanden sind, um die SchülerInnen aufzunehmen. Will ich letzteres, dann müssen die Sonderschulen sofort in inklusive Schulen umgewandelt werden, was aber - abgesehen von der Namensänderung – nur dadurch zu erreichen wäre, dass die bisherigen Sonderschulen vermehrt Kinder ohne Behinderung aufnehmen. Egal für welche der beiden Alternativen sich der Gesetzgeber entscheidet – beide haben ihre Vorteile und Risiken – es ist jedenfalls wichtig, dass hier unverzüglich Schritte gesetzt werden, damit das Recht auf inklusive Bildung umgesetzt wird.

Während der Landesschulratspräsident (Günther Platter) von einer „gemeinsamen Schule“ redet, stellt der amtsführende Landesschulratspräsident (Dr. Lintner) eine „gemeinsame Schule“ in Abrede. Will Ihre Partei eine glaubwürdige Bildungspolitik umsetzen, und wie wollen Sie das erreichen?
Die KPÖ war schon immer für eine Gesamtschule, die selbstverständlich auch Kinder mit Behinderungen miteinschließt. Selbstverständlich werden dringend weiter Lehrkräfte benötigt, um die individuelle Förderung aller SchülerInnen unabhängig davon ob sie jetzt eine Behinderung haben oder nicht, zu gewährleisten. Zudem wäre damit auch eine weitere Barriere weg, da es schließlich so ist, dass alle Kinder jeweils ihre Stärken und Schwächen haben und sie im Umgang mit ihren eigenen Schwächen und Stärken spezifische Hilfestellung erfahren. Dadurch ist auch die spezielle Förderung für Kinder mit Behinderung kein Merkmal, welches sie von „normalen“ Kindern unterscheidet. Jedes Kind wird – seinen Bedürfnissen entsprechend – betreut und gefördert. Die Mittel dafür sind über Vermögenssteuer und über zusätzliche Abgaben für Großunternehmen zu holen, die ja ihrerseits davon profitieren, dass dem Arbeitsmarkt gut ausgebildete Menschen zur Verfügung stehen. Daher müssen sie auch zur Finanzierung des Bildungssystems herangezogen werden.

Leider werden immer noch Schulen und Zubauten in Tirol teilweise nicht barrierefrei gebaut und der Umbau der bestehenden Schulen ist lange schon notwendig. Aus vielfältigen pädagogischen Gründen gibt es viel Handlungs- bzw. Umbaubedarf an Tirols Schulen. Ist Ihre Partei bereit, Umbauten im Sinne der Barrierefreiheit und Schulqualität auf Gemeindeebene aktiv zu unterstützen? Gibt es konkrete Pläne Ihrerseits?
Selbstverständlich unterstützt die KPÖ solche Umbauten, wobei hier wichtig ist, dass die Betroffenen hier intensiv miteingebunden werden, weil nur dadurch befriedigende Lösungen möglich werden. Allerdings beginnt das Problem auch schon beim Weg zur Schule. Hier ist auch gerade bei der ÖBB noch einiges zu leisten, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Für Menschen mit Rollstuhl ist der Bahnverkehr der reinste Hindernislauf. Zudem ist es bei Zugausfall oft noch doppelt problematisch, da Schienenersatzverkehr oft nicht barrierefrei ist.