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Laurie Penny /Fleischmarkt/ Weibliche Körper im Kapitalismus/ Edition Nautilus, 2012

Laurie Penny, 25, Journalistin, Bloggerin, hält sich in "Fleischmarkt" nicht mit läppischen Appellen für ein bisschen gerechte Bezahlung, ein bisschen reproduktive Freiheit und ein bisschen männliche Mithilfe im Haushalt auf. Penny holt zum gründlichen Rundumschlag aus gegen die spätkapitalistischen Kontrollmechanismen über den weiblichen Körper: die Pornifizierung der Sexualität und des weiblichen Körpers, Magersucht als Extrem der Unterwerfung, Gewalt gegen Frauen und Transfrauen und häusliche Fronarbeit als kapitalistische Ausbeutung. Wie Frauen heutzutage in den westlichen Industriegesellschaften leben, hat mit Freiheit nicht das Geringste zu tun: Ob sie eine Ausbildung erhalten, ob und wo sie arbeiten, wie sie sich kleiden und auftakeln, wie sie Sexualität wahrnehmen und praktizieren, wieviel unbezahlte reproduktive Hausarbeit („Drecksarbeit“) sie leisten und ob sie sich zu Tode hungern.

Dies alles resultiert partout nicht aus deren persönlicher Entscheidungskraft, sondern auf der, sich durch sämtliche Lebensbereiche ziehenden Struktur ewigen Konsums und der Bewertung des weiblichen Körpers. Dieser hat nach wie vor einen Warencharakter (und die Feministin einen wahren Charakter, grins), eine Ware, die zum Verkauf steht: er soll einem Schönheitsideal entsprechen und allzeit für Sex bereit sein.

"Frauen, die auf dem kulturellen Fleischmarkt nicht konkurrieren können oder wollen und sich nicht als sexy verkaufen, haben mit sozialen Konsequenzen zu rechnen.“

"Egal, wieviel wir shoppen, vögeln, hungern, schwitzen und uns schminken, um die Zeichen der Müdigkeit und des Unglücks zu verdecken, egal, wie perfekt wir uns unterwerfen, die riesige Mehrheit der Frauen wird innerhalb der Regeln des bestehenden Systems niemals gewinnen. Die kapitalistische Vision des perfekten, weiblichen Körpers ist ein geistloses Grab frigider Zeichen und brutaler Regeln, die unfruchtbar und tödlich sind. Wenn wir leben wollen, müssen wir uns an die Sprache des Widerstandes erinnern."

Konsequente Solidarität untereinander herstellen.
Sich dem Spielchen verweigern, immer schön sein zu müssen.
Den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er IST, und nicht, wie er sein sollte. Das SELBSTbewusstsein stärken..

Leider fehlt schlussendlich ein Kapitel über „Frauen und Altern“, aber das Pamphlet der jungen Feministin Penny ist als halbjährliche Gehirnzellenauffrischungskur durchaus zu empfehlen- nicht nur für Frauen!

Quellen:
Simone de Beauvoir, Le deuxième sexe, Aviva Berlin, 2012