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Miete, Betriebskosten, Kapitalismus

Wohnen von Roland Steixner
kandidiert auf dem 5. Listenplatz von "KPÖ - Liste Josef Stingl"
Neulich wurden wir bei einer Veranstaltung von einem Vermieter "aufgeklärt", dass eigentlich nicht die hohen Mieten das Problem seien, sondern die überhöhten Betriebskosten und Heizkosten. Weiters sieht mensch immer wieder, wie Haus- und Grundbesitzer mit den "hohen Erhaltungskosten" einer Wohnung argumentieren.

Grundsätzlich dürfen wir davon ausgehen, dass kaum ein Vermieter die Wohnung so vermieten würde, dass sie für ihn ein Verlustgeschäft ist. Soviel Altruismus verlangen auch wir KommunistInnen von den VermieterInnen nicht. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Instandhaltungskosten einer Wohnung im hintersten Pitztal nicht genau so hoch sind wie die einer gleichwertigen Wohnung in Innsbruck. Wenn wir sehen dass gemäß dem Immopreisatlas der Raiffeisenbank für Mietwohnungen im Bezirk Innsbruck durchschnittlich 10,81€/m² verlangt werden, während es im Bezirk Imst 6,77€/m² sind und sich ein ähnliches Verhältnis sowohl bei den Preisen für Eigentumswohnungen als auch bei den Preisen für Baugrund widerspiegelt, dann dürfen wir daraus schließen, dass es eben nicht die Erhaltungskosten sind, die diesen Preisunterschied ausmachen. Folglich sind die Erhaltungskosten auch nicht ausschlaggebend für die überteuerten Mieten in Innsbruck.

Denn, so es überhaupt ein Verhältnis zum Erhaltungsaufwand einer Wohnung und deren Lage gibt, dann in dem Maße, dass dieser Aufwand gerade aufgrund der besseren Infrastruktur in den Zentren geringer ist als in der Peripherie.

Frappierend ist jedenfalls, dass die in Städten überhöhten Immobilienpreise durch die öffentliche Hand gesponsert werden. Der Lagezuschlag macht es möglich. Denn der/die VermieterIn oder GrundstückseigentümerIn investiert ja nicht in die verbesserte Infrastruktur, die er dem Mieter/der Mieterin oder KäuferIn in Rechnung stellt. Diese wurde durch die öffentliche Hand finanziert. Da diese aber auch schon von den MieterInnen dank der Massensteuern gezahlt wird, wird die Infrastruktur diesen gleich doppelt in Rechnung gestellt. Einmal in Form der Massensteuern durch den Staat und einmal in Form des Lagezuschlags durch die VermieterInnen.

Hier sehen wir aber wieder das Wesen unseres Systems. Der Kapitalist (und jetzt gendere ich mal bewusst nicht, weil Vermögen noch immer weltweit zum größten Teil in Männerhand ist) lässt sich für etwas bezahlen, wofür er gar nichts leistet. Denn er bezahlt dem/der ArbeiterIn einen bestimmten Lohn für die geleistete Arbeit. Dieser entspricht aber nur einem Bruchteil des tatsächlichen Werts der geleisteten Arbeit. Der Kapitalist verkauft die Ware aber zu dem Wert, den sie tatsächlich hat. Den Rest streicht er als Profit ein. Dementsprechend lässt sich der Grundbesitzer oder Vermieter (auch hier gilt das oben gesagte) den vollen Wert seiner Immobilie auszahlen, während er selbst nur einen Bruchteil zu dessen Wert beigetragen hat.

So funktioniert Kapitalismus. Der Kapitalist verrechnet immer zu 100% während er einen Teil dessen, was er verrechnet eigentlich gratis (dt. "für den bloßen Dank") bekommen hat. Nun ist es aber nicht so, dass der Kapitalist denen, die er aussackelt für ihre Gaben danken würde. Er glaubt, dass ihm das einfach zustünde und wir sollen IHM für den Rest, den er zahlt, dankbar sein!

Um zurückzukehren auf den Vermieter, der uns bei der Veranstaltung am 8. März angesprochen hat: Mensch kennt das übliche Klagen von InhaberInnen von Lokalen und Geschäften. Würde das, was sie sagen, stimmen, dann müssten sie gleich am nächsten Tag den Laden schließen. Dennoch können sie sich einen Lebensstandard leisten, den sich viele andere nicht leisten können. Ich beneide sie nicht um ihr Leben aber mein Mitleid mit ihnen hält sich in gewissen Grenzen.

Im Übrigen ist die Miete, welche besagter Herr für eine 60m² Wohnung seinen Angaben gemäß verlangt, mit 650€ für Innsbrucker Verhältnisse eh überaus günstig, sofern er damit das meint, was landläufig darunter verstanden wird: Der Gesamtbetrag, den der/die MieterIn dem/der VermieterIn monatlich zu überweisen hat.

Was die Betriebskosten betrifft, so sind daran im Allgemeinen nicht die VermieterInnen schuld. Wohl aber andere, die Profite auf Kosten weiter Teile der Bevölkerung machen.