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Nein zum 12-Stunden-Tag!

Standpunkte Als im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution so richtig los ging, bestand seitens der damaligen Arbeitgeber - zuerst in den Manufakturen und dann in den Fabriken - das Ziel, den Arbeitstag der lohnarbeitenden Menschen immer weiter auszudehnen.

Dies hatte einen simplen Grund:
Der Arbeiter stellt durch seine Tätigkeit nicht nur brauchbare Produkte (für den Besitzer der Produktionsmittel) her, sondern er schaffen durch die Arbeit Wert, der zuerst in Form der Preise der Produkte erscheint und der letztendlich zu Geld wird - für den Besitzer der Produktionsmittel und Arbeitgeber wohlgemerkt.
Die Löhne der Arbeiter haben den Sinn, die Arbeitskraft des Arbeiters wiederherzustellen (der Arbeiter kauft um den Lohn Produkte und bezahlt die Miete, um am Leben zu bleiben und seine Arbeitskraft aufrechtzuerhalten) - der Wert, den die Arbeiter durch ihre Tätigkeit erschaffen, ist bei Weitem höher, als der Wert, den sie in Form eines Lohnes vom Arbeitgeber erhalten. Je länger der Arbeitstag dauert, umso höher ist natürlich auch der Wert, den die ArbeitnehmerInnen für den Arbeitgeber erschaffen können sollen. So entsteht der Mehrwert und letztendlich der Profit des Arbeitgebers. Die Arbeitgeber - früher hießen sie ja noch Kapitalisten - haben natürlich das Interesse, von den ArbeitnehmerInnen so viel an Wert, wie möglich für sich zu bekommen – deshalb das starke Interesse der Arbeitgeber, den Arbeitstag so weit wie möglich auszudehnen (siehe dazu: „Das Kapital“ von Karl Marx, Band 1, 3. Abschnitt „ die Produktion des absoluten Mehrwertes“, 5. Kapitel: „Arbeitsprozess und Verwertungsprozess“: „ Der Kapitalist zahlt z.B. den Tageswert der Arbeitskraft“…“Dem Käufer der Ware gehörte der Gebrauch der Ware.“…“Von dem Augenblicke , wo er (der Besitzer der Arbeitskraft) in die Werkstätte des Kapitalisten trat, gehörte der Gebrauchswert seiner Arbeitskraft, also ihr Gebrauch, die Arbeit, dem Kapitalisten “, 6. Kapitel „konstantes und variables Kapital“ : „Der in Arbeitskraft umgesetzte Wert des Kapitals“…“ reproduziert sein eigenes Äquivalent und einen Überschuss darüber. Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann.“, 7. Kapitel: „die Rate des Mehrwertes“: “Der Arbeiter“ (produziert) “während eines Abschnitts des Arbeitsprozesses nur den Wert seiner Arbeitskraft“…“den Teil des Arbeitstags also, worin diese Produktion vorgeht, nenne ich notwendige Arbeitszeit“…“Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter über die Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus schanzt, kostet ihn zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft“...“sie bildet Mehrwert, der den Kapitalisten mit allem Reiz seiner Schöpfung aus Nichts anlacht.“
8. Kapitel: Der Arbeitstag:“ Der Kapitalist hat die Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft“(...)“ Er hat also das Recht erlangt, den Arbeiter während eines Tages für sich arbeiten zu lassen.“(...)“ Das Kapital hat einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich zu verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln, die größtmögliche Mehrarbeit einzusaugen.“…“ Der Kapitalist behauptet sein Recht als Käufer, wenn er den Arbeitstag so lang wie möglich zu machen sucht“….“Gesetzt der Arbeitstag zähle 6 Stunden notwendigem Arbeitszeit und 6 Stunden Mehrarbeit, so liefert der freie Arbeiter dem Kapitalist wöchentlich 6 x 6 Stunden Mehrarbeit.)
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Natürlich gibt es noch anderen Formen, Mehrwert - und somit Profit - herzustellen: Wie z.B : Steigerung der Produktivkraft der Arbeit durch Einsatz von Maschinen, bzw. auch Ersatz der Lohnkosten durch Einsatz von Maschinen (Siehe dazu „Das Kapital, von Karl Marx, Band 1, 4. Abschnitt „ die Produktion des relativen Mehrwerts“).
Durch dieses Ausdehnen der Arbeitszeit, die zu Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zum Teil 16 Stunden betrug, wurden die AbeitnehmerInnen natürlich erschöpft und krank. Interessensverbände: Gewerkschaften und die damaligem sozialdemokratischen Parteien setzten sich für die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen und somit auch für den 8-Stunden-Tag ein.
Zu jener Zeit dämmerte es offensichtlich auch den Regierungen in Europa, dass mit erschöpften und kranken ArbeitnehmerInnen der Kapitalismus nicht in Schwung kommen kann: „Nach Angabe in der „Bayrischen Zeitung“ vom 9. Mai 1862“(...) „stellte es sich“ (… )“heraus, dass in Preußen von 1000 Konskribierten 716 untauglich zum Militärdienst: 317 wegen Mindermaß und 399 wegen Gebrechen.“ (siehe „Das Kapital“ von Karl Marx, Band 1, 3. Abschnitt „die Produktion des absoluten Mehrwerts“, 8. Kapitel „der Arbeitstag“). Da es auf die Bereicherung durch die kapitalistische Produktionsweise aber stark ankam, wurde auf die Forderung der Gewerkschaften und Sozialdemokraten nach dem 8-Stunden-Tag seitens der Regierungen immer mehr eingegangen.
Zum letzten Gesetzesvorstoß zum 12-Stunden-Tag gibt es weder seitens der Sozialdemokratischen Partei noch vom ÖGB eine Aufschrei. Zu groß scheint von dieser Seite das Verständnis für das Bedürfnis des Kapitals nach Bereicherung, die ja - wie beschrieben - auf Kosten der ArbeitnehemrInnen erfolgt.
Haben denn die Gewerkschaften vergessen, wessen Interessen sie vertreten sollen?

Gerda Pastyrik