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Religion Kapitalismus

Standpunkte von Patrick Holzer

Sehr geehrte Damen und Herren, wir müssen über den Kapitalismus sprechen!

Ich weiß, das ist ein schwieriges Kapitel, denn es hat ja schon religiöse Dimensionen angenommen. Die Menschen im Westen haben den Glauben an alles verloren, aber sie glauben unbeirrt, dass die kapitalistische Art zu wirtschaften langfristig für alle auf der Welt das Beste sei. Das Schöne an der Religion ist, es gibt nichts zu diskutieren, nichts zu verstehen, man muss es einfach nur glauben! In der Religion Kapitalismus gibt es zwei Götter: Produktivität und Wachstum. Wenn Sie dagegen etwas sagen sind sie ein Vollspinner, dass sei Blasphemie. Ewiges Wachstum ist schwierig, fragen sie Reiner Calmund! Produktivität mit immer weniger Menschen und in immer kürzerer Zeit mehr herstellen. Immer schneller, immer mehr bis nichts mehr geht. Aber wo haben dass die Menschen eigentlich her? Die Natur ist nicht effektiv sondern die ist verschwenderisch. Ein Löwe fängt eine Antilope, frisst sie bis er satt ist und wartet bis er wieder Hunger bekommt. Er kommt doch nicht auf die Idee zu sagen, hmm ich hab für die Antilope 15 Minuten gebraucht, wenn ich mich dranhänge schaff ich heut noch zehn, dann kann ich morgen frei machen! Der Löwe ist doch nicht bescheuert, er hat doch nicht BWL studiert. Im Gegensatz zum BWL-er weiß der Löwe ganz genau, dass er am nächsten Tag nicht frei machen kann, denn er muss einen Kühlschrank bauen um die Sachen frisch zu halten, danach muss er das Haus bauen und für den Strom sorgen und der Rattenschwanz hört nie wieder auf und der Löwe kann nie mehr wieder in der Sonne liegen und sagen: Boah, war das lecker, was geht es mir gut. Nur dem Menschen, der schon alles hat, kann man einreden, dass er noch mehr Antilopen pro Tag fangen muss, damit er sich das neueste Kühlschrankmodell leisten kann.

Kapitalismus bedeutet: Man kauft Dinge die man nicht braucht, von Geld das man nicht hat, um Menschen zu beeindrucken die man nicht leiden kann!

Das beste Beispiel ist Deutschland. Alle Politiker sagen, dass Deutschland das Vorbild für Europa sei und wir uns ein Beispiel an denen nehmen sollen. Deutschland sei Exportweltmeister und die Deutschen sind fleißig. Uns wird eingeredet, dass alle Probleme gelöst sein, wenn alle Länder auf der Welt mehr exportieren als sie importieren. Da aber der Export des einen Landes den Import durch ein anderes voraussetzt, kann diese Milchmädchenrechnung nie aufgehen. Das Gequatsche von der Wettbewerbsfähigkeit appelliert an unsere tiefsten Instinkte und selbsternannte Genetikexperten wie etwa Thilo Sarrazin bestätigen uns auch noch prompt, dass die Faulheit der Südländer eine unumstößliche Tatsache sei, die nicht nur gesellschaftlich sondern auch noch genetisch bedingt sei. Demnach kommen die „faulen Südländer“ in der Hängematte zur Welt und sind zu nichts zu gebrauchen.

Ewiges Wachstum, wovon denn? Die G-7 Staaten brauchen 40 %, China braucht genauso wie Indien 40 % der Weltressourcen und schon wird es auch für Menschen, die an Rechenschwäche leiden, knapp. Der Kapitalismus lebt davon, dass die Menschen dumm gehalten werden! Wenn wir jetzt Schulden machen, leben wir auf Kosten der nächsten Generation und wenn wir brav arbeiten bezahlen wir die Schulden. Das ist alles Quatsch. Die Reichen vererben ihr Vermögen an die nächste Generation und die Armen vererben ihre Schulden an die nächste Generation und auch in der Zukunft sind die Schulden und das Vermögen gleich hoch. Denn das Vermögen des einen sind die Schulden des anderen. Und wer redet uns das ein? Die Medien, und wem gehören die Medien? Genau, den Reichen. Erfolgreicher Politiker wird man nur, wenn man das Interesse der Reichen wahrt und denen nicht gefährlich wird. Da sind Menschen wie Faymann, Strache und Co. perfekt dafür. Doch wie heißt es so schön: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Und solange die Mehrheit diesem Treiben der Eliten auch noch eine gewisse demokratische Legitimation erteilt, sind die Perspektiven für eine Veränderung der Gesellschaft schwierig. Aber für diejenigen, die eine Alternative zum herrschenden System anstreben gilt: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.