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Sorgenkind Schule und kein Ende

Pressespiegel von Rosmarie Thüminger (KPÖ)
Der Herbst kommt ins Land und damit wieder die leidigen Schulprobleme: Nachprüfungen, finanzielle Einbußen durch teuer Nachhilfestunden, die tägliche Belastung durch elterliches (meist mütterliches) privates Lernen von schulischem Stoff, der in der Schule offensichtlich ungenügend aufbereitet wurde. Dazu die Fragen: wer betreut mein Kind nach der Schule, wer schaut dazu, dass es die Aufgaben erledigt und lernt, damit es nicht in einer schulischen Sackgasse landet, die seine Berufsaussichten von vornherein stark schmälert, und das in einer Zeit, die nicht auf Solidarität ausgerichtet ist, sondern auf beinharte Auslese.

Die Lösung dieser für viele existentiellen Probleme werden nach wie vor verhindert, vor allen durch klassenbewusste Eltern, die sich die Konkurrenz aus ärmeren und vielleicht wenig bildungsbewussten Schichten für ihren eigenen Nachwuchs von vornherein entledigen wollen. Getarnt wird diese Einstellung mit längst widerlegten "Weisheiten" etwa, dass Intelligenz vererbt würde, dass Kinder eben unterschiedliche Begabungen hätten. Letzteres stimmt selbstverständlich. Doch erwiesen ist auch, dass - bei entsprechender Förderung - beinahe alle Kinder zu einem guten Schulabschluss fähig sind. Extreme Bremser in Bemühen um bessere Chancen für alle Kinder sind vor allen verschiedene Gruppierungen in diversen ÖVP- und FP-Lagern.

Leider kann man die SPÖ nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Zu Zeiten, da sie die Alleinregierung stellte, hätte sie eine Schulreform im Sinne des Sozialdemokraten und Pädagogen Otto Glöckel, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod 1935 die Förderung nach einer allgemeinen Gesamtschule stellte, einführen können. Doch sie scheute die Auseinandersetzung mit Kirche und Bürgertum und wohl auch mit den eigenen, gut situierten Genossen.

Inzwischen ist die Situation derart prekär, dass selbst die Industrieellenvereinigung und die Wirtschaftskammer diese Situation nicht mehr hinnehmen wollen, weil die Wirtschaft in unserer hochtechnisierten Zeit junge Menschen mit soliden Grundwissen dringend braucht.

Immer wider wird auf die Verbindung und Zusammengehörigkeit zwischen Süd - und Nordtirol hingewiesen, doch im schulischen Bereich halten die Verantwortlichen Ohren und Augen geschlossen. Während in Südtirol seit Jahrzehnten die Ganztagsschule sowie integrierte Schulen, in der z.B. auch Kinder mit Down - Syndrom gemeinsam unterrichtet werden, gut funktionieren, wehrt sich die ÖVP in Nordtirol samt Lehrergewerkschaft mit Händen und Füßen gegen ein in beinahe allen europäischen Ländern bestehendes und bewährtes Schulsystem.

Bis sich die reaktionären Kräfte bei uns zu einer radikalen, längst fälligen Reform wie Ganztags - und Gesamtschule durchringen, müssen zumindest einige Neuerungen sofort geschaffen werden. Also sofort mehr spielerische Förderung mit sprachlichen Schwerpunkten, die nicht nur Kindern aus fremdsprachigen, sondern auch Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien zugute kämen, bereits in den Kindergärten, sowie effektive Lernförderung an den Schulen mit psychologischer Betreuung, um eventuell bestehende familiäre Defizite aufzufangen.

Der Besuch solcher Einrichtungen muss kostenlos sein, was sich, im Ganzen gesehen, auch finanziell positiv auswirkt. Gut ausgebildete, motivierte und fähige Menschen leisten mehr für die Gesellschaft als frustrierte und perspektivlose.