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Tausendsassa Steixner oder kein Kind der Traurigkeit

Verkehr u. Umwelt
von Josef Stingl
„Anton aus Tirol...“ so sang sich einst DJ Ötzi an die Spitze der internationalen Charts. „Anton aus Tirol“ heißt auch die oberste Verkehrsinstanz Tirols: Landes-Vizeboss, Ökonomierat Steixner, der auch noch für die Belange der Bauern, für die Ressorts Wasser und Energie, für den Bereich Tier- und Pflanzenschutz, für die Feuerwehr, für den Almschutz, das Forstrecht, die Jagd, die Fischerei und, und, und ... also eine, für den demokratisch denkenden Laien unüberschaubare Menge an Aufgaben und Verantwortungen zuständig ist.
Aber der Tag hat leider eben nur 24 Stund'! Da kann's schon passieren, dass man sich im Datum irrt, und ungewollt schon am 1. Februar einen Aprilscherz vom Stapel lässt! Worum geht’s? Steixner hat nun für den 1. Februar die „Landesnetzkarte für SeniorInnen“ versprochen. (Anm.: Über 60jährige sollen demnach um 240 € ; über 70-jährige um 140 € ein Jahresticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel erhalten.) Und an die Jugend gewandt, meinte er bereits im Juni des Vorjahres, dass er mit großem Interesse die Einführung des 60-Euro-Tickets für SchülerInnen und Lehrlinge in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland verfolge, und er sich „so etwas auch für Tirol vorstellen könne“. Nur für die SchülerInnen- und Lehrlingsfreifahrt sei nicht er, sondern eben der Bund zuständig. (Anm.: Was mit den Fahrtkosten der „Studis“ seiner Vorstellung nach passieren soll, hat er aber dabei nicht erwähnt.)

Letztlich konnte man aber trotzdem fast schon glauben, dass jetzt endlich in Tirol eine schon längst überfällige Bewegung in die überteuerte Tarifpolitik des Öffentlichen Verkehrs käme. Doch aufgepasst, meine Damen und Herren, für den Rest der Bevölkerung hat unser „Big Boss“ nur einen üblen Scherz zur Verfügung. Jene, die für die Fahrt zur Arbeit ohnehin schon unentgeltlich ihre eigene Zeit investieren müssen, sollen jetzt wie gewohnt noch kräftiger dafür „blechen“: Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) erhöht die Preise für Einzelkarten um zwei Prozent und für Wochen-, Monats- und Jahrestickets sogar um 2,2 Prozent! (Anm.: Die AK Tirol befürchtet, dass bei Kurzstrecken die Teuerung sogar noch höher ausfallen könnte und verweist dabei auf das vergangene Jahr, wo die durchschnittliche Erhöhung bei rund 3 Prozent lag und einzelne Strecken sogar um bis zu 4,7 (!) Prozent teurer wurden.)

Und was macht „unser“ Steixner ? Er schaut diesem bösen Spiel logischerweise kommentarlos zu, und tut das, was er am besten kann, nämlich rechnen: Dieses Wahlzuckerl „Seniorenticket“ muss natürlich gegenfinanziert werden! Und warum nicht mit einer Tariferhöhung zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung?
Die Landtagswahl naht, und die SeniorInnen sind für die Schwarzen ein attraktives Wählerpotential. Die ArbeiterInnen und Angestellten dagegen sind für diese sogenannte „Volks“-Partei und deren Geldhähne traditionell nur ein „vernachlässigbarer“ Posten und die StudentInnen gelten für diesen Machtverein ohnehin nur als „grün-rotes Chaoten-G'sindl“, das frecherweise dem tirolerischen Machtfilz noch kritisch gegenüber steht...

Denkanstoß: Übrigens, wie wär's damit, sich ein Beispiel am vielfach geschmähten „Wiener Wasserkopf“ zu nehmen. Dort gibt es nämlich für ALLE WienerInnen eine Netzkarte um nur 1 Euro pro Tag!!!
Für Tirol nicht finanzierbar, Herr Steixner? Ein Euro für jede Tonne Straßen-Transit wäre wohl bezahlbar? Auf der Brenner-Route fahren beispielsweise jährlich 1,8 Millionen LKWs. Berechnet man eine durchschnittliche Beladung mit bloß 10 Tonnen, wären dies schon jährlich 18 Millionen Euro für den öffentlichen Verkehr. (Anm.: Ein Beitrag von 10 Euro / LKW würde wohl kein gesundes Unternehmen.in den finanziellen Abgrund treiben, Herr „Möchtegern-Berlusconi“?)

Josef Stingl ist Bundesvorsitzender des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB)