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Zur Ausweitung des Bettelverbots :

Sozial (die von der „Liste Federspiel“ und den „Freiheitlichen“ beantragt wurde und die, sowohl von der BürgemeisterInnenfraktion als auch von der ÖVP - so wie es aussieht – begrüßt wird): In unserer kapitalistischen Gesellschaft, müssen diejenigen, die keinen Reichtum besitzen, ihre Arbeitskraft verkaufen, um existieren zu können. Das heißt, sie müssen jemanden finden, der bereit ist, ihre Arbeitskraft zu kaufen. Leider ist das nicht selbstverständlich, denn nur der Unternehmer, der die Möglichkeit der Vergrößerung seines Reichtums darin erkennt, einen Arbeitnehmer(- in), der (die) für ihn arbeitet und für ihn Wert schafft, anzustellen, kauft tatsächlich die Arbeitskraft des Arbeitssuchenden. Er bezahlt die Anwendung der Arbeitskraft in Form des Lohnes (der natürlich viel niedriger ist, als der Wert, den der Arbeitnehmer für den Arbeitgeber erarbeitet – alles andere würde in unserer kapitalistischen Gesellschaft keinen Sinn ergeben).

Diejenigen, die niemanden finden können, der ihre Arbeitskraft kauft (um sich daran bereichern zu können), sind in unserer Gesellschaft die Allerärmsten. Manche von ihnen haben ihren Arbeitsplatz verloren und haben - je nach dem - Anspruch auf Arbeitslosengeld. Wenn nicht – bleibt der Gang zum Amt für Soziales. Hier muss ein Antrag gestellt werden ( in unserer Gesellschaft ist der Bezug von Mindestsicherung nicht selbstverständlich – es geht ja gerade darum, dass die Menschen ihre Arbeitskraft gefälligst verkaufen und nicht dem Staat zur Last fallen sollen). Die Bearbeitung dieses Antrages dauert aus verschiedenen Gründen oft lange. Manchmal muss gegen diese Entscheidung berufen werden. Solange bis diese Entscheidung nicht (positiv) gefällt ist, gibt es kein Geld.

Da in unsere Gesellschaft Geld Mittel des Ausschlusses ist, an Waren heranzukommen und der Grund dafür ist , weshalb diejenigen, die keinen Reichtum besitzen, ihre Arbeitskraft verkaufen müssen (welche Bedingungen sie dafür auch immer in Bezug auf Lohn oder Arbeitszeit vorfinden mögen), bleibt denjenigen, die weder einen Arbeitsplatz noch eine Unterstützung durch das AMS haben und die über noch keinen positiven Bescheid darüber verfügen, dass sie eine Unterstützung vom Amt für Soziales bekommen, nur die Alternative, entweder im Verwandten- oder in Bekanntenkreis um Geld zu ersuchen, oder ansonsten öffentlich zu betteln.

Dazu fällt nur wenigen Menschen ein, dass man kritisieren könnte, dass Menschen überhaupt in Situationen kommen, in denen ihnen nichts anderes übrig bleibt, als zu betteln.

Die Kritiker des Bettelns beziehen sich allein darauf, dass das Betteln stört – andere Menschen eben.

Und der moralische Inhalt des - Antrages auf Erweiterung - des Bettelverbots ist doch wohl dieser: Bettler, geht doch - ohne uns zu stören und unser Gewissen zu belasten – sonst wo zu Grunde.

Im Übrigen sagt diese Bettelkritik auch einiges darüber aus, was Menschen in unserer Gesellschaft, die ihre Arbeitskraft nicht verkaufen können, wert sind und wert sein sollen...

Gerda Pastyrik