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Bücher

Buchbesprechung DIE IBIZA AFFÄRE

Die Ibiza Affäre von Obermaier/Obermayer

Whoah! We are going to Ibiza
Whoah! Back to the island
Whoah! We are gonna have a party
Whoah! In the Mediterranean sea
(Vengaboys, 1990)

Whoah! War das eine Show am 24. Juli 217 in einer Top Villa auf Ibiza mit den Darstellern Strache, Gudenus, seiner Angetrauten, und der vermeintlichen Russenoligarchennichte mit ihrem Vertrauten. Und Wanzen und Kameras.
Eine Falle. Von wem auch immer gestellt, sei dahingestellt...
Die Autoren des Buches, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (mit beinahe eineiigen Zwillingsnamen) von der Süddeutschen Zeitung, sind investigative Journalisten, die auch die Skandale der PANAMA PAPERS, PARADISE PAPERS und weitere kriminelle Machenschaften aufgedeckt haben.
Das Buch beginnt - nach einem Vorwort von Armin Wolf,- spannend wie ein Krimi. Wie Obermaier/mayer eine Nachricht erhalten, wie sie von einem Treffpunkt zum andren geleitet werden, wie sie ein 15 minütiges Video bekommen, auf dem aber zunächst nicht allzuviel zu erkennen ist. Soll das Strache sein mitsamt seinem Adlatus Gudenus? Die Journalisten sind anfangs misstrauisch. Und der Informant bzw die Informanten machen es seehr spannend.
Diese Spannung zieht sich durchs ganze Buch, aber für meine Begriffe, in denen die beiden Journalisten letztendlich das mehrstündige Video in den Händen halten, prüfen und die Bombe platzen lassen, zu ausschweifend. Von den 268 Seiten hätte man locker 100 zusammen streichen können. Nun denn, der Verlag und die Journalisten wollen auch schwafeln und leben, sonst könnte man kaum 16,50 Euro verlangen.
Zurück zum Inhalt: Ausführlich werden die Aussagen von Strache und Gudenus beschrieben.
Je fortgeschrittener der Abend, desto mehr eine "bsoffene Gschicht"?
Von wegen! Die Pseudo- Oligarchennichte hat viiel Geld zum Investieren und möchte von Strache Vorschläge hören, nachdem die Abhör-Kandidaten leckeres mondänes Zeug gefuttert und begonnen haben, Wodka/Red Bull zu saufen. Strache beginnt mit der Zeitung KRONE. Der Oligarchennichtenlockvogel könnte locker die Hälfte kaufen, noch vor der Wahl im Oktober 2017. Dafür werde er, Strache, sorgen. Und das Blatt auf FPÖ Linie bringen. Die unangenehmen Journalisten raushauen. ZACK ZACK ZACK! Da wäre sie rasch die Chefin, die Nr.1. "Journalisten sind eh die größten Huren auf dem Planeten!", meint Strache, und pafft um die Wette. Man fragt die falsche Oligarchennichte, was sie als Gegenleistung wolle? Man könne evtl. staatliche Aufträge zum "Überpreis" (zu künstlich überhöhten Preisen) an sie vergeben. ZB am Wasser, dem weißen Gold teil haben. Strache meint, eine Struktur sei vorstellbar, "das Wasser zu verkaufen, wo der Staat eine Einnahme hat, und derjenige, der das betreibt, genauso eine Einnahme hat. Des hat Sex!" Und so geht das Gespräch weiter.
Je später der Abend, desto schillernder die Ideen.
STRABAG kommt ins Spiel. Und diverse Partei- Spender ( die später auf Anfrage alles bestreiten). Der Waffenfabrikant Gaston Glock. Kaufhausschnepfenerbin Heidi Horten. René Benko. Novomatic spendet an alle großen Parteien. Auch nicht blöd. Der Trick, die Spenden an den Rechnungshof vorbei zu hieven, ist der, an FPÖ nahe Vereine zu spenden. Da kann man auch Milliönchen spenden und niemand murrt auf. Aha, so geht das. Der Lockvogel will klare Zusagen, aber Strache ziert sich. Plötzlich sieht er ihre dreckigen Fußnägel und Zweifel über die Echtheit der Oligarchennichte kommen auf. Aber Gudenus wiegelt ab. Er hat ja schon Wochen vorher Kontakt aufgenommen. Und alle sind wieder happy.
Je später der Abend, desto ausgelassener die Gäste.
Es geht um Verkauf von Immobilien "in bester Lage und wirklich geil". Und nochmals: Staatsaufträge mit Überpreis... Flughäfen, Autobahnen... Da ist Strache sofort dabei, den Strabag Miteigentümer Haselsteiner auszubooten.

Die Videos werden sorgfältig mithilfe von Sachverständigen überprüft und der Ibiza- Knaller soll noch vor den Europawahlen erscheinen. Auch der Falter und der Spiegel werden eingeweiht. Aber ansonsten besteht größte Geheimhaltung. Plötzlich plappert Satiriker Böhmermann angesichts der Romy Verleihung über Ibiza: Er sei zugekokst, Red Bull betankt und hängt mit paar FPÖ Freunden in einer Oligarchenvilla rum. "Kann sein, dass morgen Österreich brennt!" Sollte die Bombe nach hinten losgehen? Strache und Co müssen riechen, dass der Ibiza Braten stinkt und eine Falle gewesen ist.
Die recherchierenden Journalisten bitten kurz vor der Veröffentlichung Strache und Gudenus um Stellungnahme per Whatsdepp. Wie korrekte Journalisten eben sind. Allerdings haben sie das Gefühl, dass einige PCs gehäckt wurden.
Und Strache meldet sich tatsächlich: es wär nur eine bsoffene Gschicht gwesen im privaten Rahmen.

Der Rest ist Geschichte.

Natürlich können wir den Verwanzern dankbar sein!! Aber auf diese wird nun Jagd gemacht. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt. Und der Ibiza Skandal ist jetzt schon am Absaufen. Unseriös bleibt unseriös. Wem gehört die Republik? Den fauligen Bananen? Eher Red Bull und blauen Konsorten....

Sylvia Dürr

PS.
Retourkutschen und Halali zum Gegenangriff im Chor der (braunblauen Hickhick) FPÖ: Wir sind die Opfer und nicht die Bösen!
Mit viel aggressiv- polemischem Schaum werden die Menschen hier derzeit Tag für Tag eingeseift. Wenns einen Preis geben würde für die Verdrehung von Tatsachen, dann könnten Strache u. Co locker den ersten Pinocchio- Preis gewinnen. Und die Medien bieten ihnen gehörig viel Raum. Das Volk und die Justiz wollen scheinbar ständig verarscht werden in dieser Bananenrepublik.
Wetten, dass nach der Wahl am 29. September die FPÖ wie Phönix aus der Ibiza Asche entsteigen wird mit zweistelligen Prozentwerten? WETTEN?

Neu im Globus Verlag

Ihr nennt uns Menschen? Wartet noch damit. - Linkes Wort am Volksstimmefest 2012
Die AutorInnenlesung „Linkes Wort am Volksstimmefest“ war im Jahr 2012 dem 100. Geburtstag des politischen Dichters Jura Soyfer gewidmet. In der nun erschienenen Anthologie sind die Texte aller teilnehmenden AutorInnen dokumentiert. Unter dem Titel „Ihr nennt uns Menschen? Wartet noch damit“, einem Zitat aus Soyfers Lied des einfachen Menschen, umfasst das Buch eine Auswahl aus Lyrik, utopischem Kurzdrama, Essays, Satiren und Erzählungen, die eine thematische Anknüpfung bei Soyfers gesellschaftskritischen Texten der 1920er und 1930er Jahre suchen oder sein Schreiben für das 21. Jahrhundert neu definieren.

Laurie Penny /Fleischmarkt/ Weibliche Körper im Kapitalismus/ Edition Nautilus, 2012

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Rosmarie Thüminger: Mit offenen Augen. Adele Stürzl. Eine Annäherung

Rosmarie Thüminger zeigt in ihrem Buch „Mit offenen Augen“ eine mutige Frau. Es ist eine Würdigung, eine respektvolle Annäherung an Adele Stürzl, die im Widerstand ihr Leben verlor. Adele Stürzl wurde 1892 in Favoriten geboren. Nach harten Jugendjahren als Dienstmagd wagt sie den Ausbruch ins Ungewisse und fährt nach Wien zurück. Hier kommt sie in Kontakt mit der Sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. In Budapest lernt sie ihren Mann kennen. Mit ihm zieht sie nach Beendigung des 1. Weltkrieges nach Kufstein in Tirol. Ihr politisches Engagement in der Partei als führendes Mitglied, ihr Eintritt in die KPÖ und ihr unbezwingbarer Einsatz gegen Faschismus und Nationalsozialismus werden in dem Buch von Rosmarie Thüminger in engagierter und einfühlsam recherchierter Weise beschrieben.

"Globalisierung und der Angriff auf die europäischen Wohlfahrtsstaaten"

Buchbesprechung von Rosmarie Thüminger

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Unter dem Schlagwort „Globalisierung“ wird den europäischen Wohlfahrtsstaaten der Kampf angesagt und die Idee der sozialen Rechte als veraltete Ideologie diffamiert. Der dringende und berechtigte Wunsch der Menschen nach sicheren Arbeitsplätzen und einem planbaren Leben wird als konservatives Hängen an Althergebrachten geschmäht, Flexibilisierung als Fortschritt verkauft.