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Bert Brecht: "Wir alle sind Ausländer - fast überall in der Welt."

  • Sonntag, 28. Februar 2010 @ 12:21
Standpunkte Von Sylvia Dürr
Frage: Warum wird die Asyldebatte in den Medien dermaßen hoch gepuscht (anstatt die Fluchtgründe eindeutig darzustellen)?
Gretchenfrage: Warum erscheint es dem Inländer derart unangenehm, Flüchtlinge zu sehen, gar mit ihnen in Kontakt zu treten?
Preisfrage:
Warum steckt man nicht einmal die gesamte Politikerriege in ein "Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen"?

Welch ein wunderbar verschönender Ausdruck für das schnöde Wort Schubhaft.

Nun haben 70% der Steirer in Vordernberg für ein Gefängnis, das 230 Menschen bis zu ihrer Abschiebung aufnehmen kann, gestimmt. Eine Verbesserung der Infrastruktur, Mehreinnahmen und 150 neue Arbeitsplätze werden erhofft. Die Flüchtlinge bekommt man nicht zu Gesicht, da sie ja weggesperrt sind und somit keinen Unfug draußen im gastfreundlichen Land Österreich treiben können. Dafür wird mit ihnen ein hübsches Geschäft gemacht. Wenn die Flüchtlinge drinnen das wüssten, würde ihnen die Abschiebung dadurch eventuell erleichtert. Die sind eh schon einen Schritt weiter im Gegensatz zu jenen, die ihr Asylverfahren erst vor sich haben.

Nun wird einerseits von Politikerseite aus nach einem Standort für ein "Konzentrationslager" gefahndet, andererseits aber von Niessl, Platter und co, egal welcher Couleur, dies in ihrem Bundesland abgelehnt, obwohl sogar von einer so genannten Anwesenheitspflicht die Rede ist, dh. eine Internierung von Flüchtlingen. Kasernen, Polizeidiensstellen, aufgelassene Grenzstationen sind im Gespräch. Alles, um das ängstliche, xenophobe Volk vor den unberechenbaren Fremden zu schützen.

Oder ein Schrittchen weiter, - wie in Süditalien: dort haben sich afrikanische Tagelöhner gegen unmenschliche Lebensbedingungen gewehrt und wurden anschließend von aufgebrachter Bevölkerung und Polizei zur Ruhe gebracht, sprich niedergeknüppelt. So gehts eben auch! Last but not least Ministerin Fekters Erstaunen darüber, „dass man über ein Flüchtlingszentrum ärger diskutiere als über eine Sondermülldeponie". Fatal, die beiden Substantive in dem Satzzusammenhang! Spätestens damit hat sie ihr dummdreistes Denken entlarvt: Sondermülldeponien sind nolens volens nötig, Asylsuchende nicht...oder anders formuliert: Der Flüchtling ist so ne Art Sondermüll. Nur der richtige Deponiestandort fehlt noch. Am Besten, man lässt ihn hier erst gar nicht rein. Dann gäbs in der bescheidenen Ösiwelt ein RIESENproblem weniger...

Sylvia Dürr
http://www.youtube.com/watch?v=U0JRfYZDHG8

Sylvia Dürr ist Mitglied der Landesleitung der KPÖ-Tirol