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Tanz auf dem Vulkan

  • Donnerstag, 19. August 2021 @ 11:02
Verkehr u. Umwelt Treffen sich zwei Planeten im Weltall...

Angesichts der Tatsache, dass sich der Fokus vom Virusdrama auf das Klimadrama gelegt hat, sollte man sich Gedanken machen, wie man in diesem Schlamassel nicht völlig untergeht. Die Wucht der Klimakatastrophen lässt auch den entschiedensten Klimawandelleugner blass erscheinen. CO2 Reduktion als Mittel der Wahl, meinen mittlerweile PolitikerInnen aller Couleur. Irgendwann in Zukunft?! Mit angezogener Handbremse weiter wurschteln wie bisher ist wohl kaum mehr möglich. Waren herstellen in fernen Ländern, hin und her karren bis zur Sinnlosigkeit, anschließend damit auf den Müll und ab damit in arme Länder, ist heute immer noch Usus. Das Argument gewisser Konzernchefs und anderer Kapitalistinnen, dass die KonsumentInnen dies alles wollen, wird immer fadenscheiniger. Braucht man wirklich x verschiedene Kosmetika, Joghurts, verpackt in Plastik, Esswaren aus Übersee, mit Palmöl versetzt? Hat jemand schon die Zahnpastasorten gezählt, die Dusch- und Haarwaschmittelchen etc.? Welch eine Unmenge an Warensorten sich in den Supermarkt- und Drogerieregalen tummeln, ist schlichtweg verrückt. Ganz zu schweigen von milliardenteurer, sinnentleerter Werbung, die wie Gehirnwäsche funktioniert, um dies uns alles schmackhaft machen zu wollen. Nun wird auf E-Autos gesetzt. Sind E-Autos mit Riesenakkus eine supertolle Alternative zu den SUVs, die immer noch herumkreuchen dürfen mit Dieselprivileg? Zukünftig alles auf immensen Stromverbrauch setzen? Oder doch zurück in die Steinzeit, wie es Kanzler Kurz kürzlich kolportiert hat?
Der Bevölkerung Furcht einjagen funktioniert nicht erst seit der Pandemie. Nun schürt man die Angst um den Verlust des angenehm hohen Lebensstandards. Frage: Warum kann der Mensch nicht umdenken, oder besser: anders leben? Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass der Überfluss auf Kosten andrer Menschen und des Klimas geht. Leider sind viele von uns mit der Vorstellung groß geworden, dass es außerhalb der Konsumkomfortzone wenig gibt. Das ist uns eingebläut worden, unser Geld hierfür- sauer- zu verdienen, um als Belohnung den neuesten Scheiß kaufen zu können. Dieses kapitalistische Räderwerk bringt uns uns so langsam aber sicher alle unter seine Räder. Da können Bezos und Konsorten schnell ins All düsen, aber dem Klimawandel entkommen auch diese Größenwahnsinnigen nicht. Absurd und monströs, dass sich Unmengen Geld auf nur Wenige konzentrieren. Das sollte man vernünftigerweise ENDLICH! für alternative Ideen und Energien verwenden. Und für Menschen.
Als BeobachterIn gewinnt man schnell den Eindruck, dass der Wohlstand, wohl gemerkt der materielle Wohlstand, der Bevölkerung in den reichen globalen Ländern immer noch wesentlich wichtiger ist als die Sorge um das Klima. Wie sonst wäre es zu erklären, dass nach der Zwangspause, die sehr wohl möglich war durch die Corona Pandemie, alle Zivilisationsübel wieder hochgefahren wurden, als sei nichts geschehen. Die jetzigen und zukünftigen hauptsächlichen Opfer des Klimawandels finden sich sowieso in den armen Ländern des globalen Südens, und außer ein paar Lippenbekenntnissen zum Umsteuern ist in unserem und auch in anderen Ländern wenig Bereitschaft für wirklich radikale Veränderungen zu sehen. Wäre auch ein Wunder, wenn man die Sprechblasen dieser Gestalten hört.
Das Szenario hat sich seit Ende Juni diesen Jahres aber gravierend verändert. So wurde am Dienstag, den 29.6.2021 im Westen Kanadas, im kleinen Dorf Lytton ein neuer Temperaturrekord gemessen von sage und schreibe 49,6°Celsius. Und das in einer Weltgegend, die bekannt ist für unberührte Natur, angenehme Temperaturen im Sommer und kalte Winter, schöne Nationalparks mit scheinbar ewigem Schnee, wohin selbst Österreicher manchmal zum Skifahren ausweichen, wenn der heimische Winter nichts hergibt. Also eine Insel der Seligen, gar nicht so verschieden vom Heiligen Land Tarrol. Infolge dieser Rekordhitze wurde das Dörfchen Lytton drei Tage später von einem Feuersturm dem Erdboden gleich gemacht.
Man will sich gar nicht vorstellen welche Auswirkungen eine derartige Hitzeperiode beispielsweise auf Ortschaften im hinteren Zillertal hätte, ganz zu schweigen von den Gletschern, besser Restgletschern. Also müsste doch jeder vernünftige sic! Mensch einsehen, dass es jetzt höchste Zeit ist, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Erderwärmung vielleicht noch einzubremsen. Allerdings werden die Autos immer größer und der Straßenverkehr in unserem Land steuert neuen Höchstwerten zu. Von Umkehr keine Spur.

Das Rektorat der Universität Innsbruck hat vor kurzem neue Reiserichtlinien vorgegeben, in denen festgelegt wird, Kurzstreckenflüge für Dienstreisen zu vermeiden. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, und für den die Universitätsleitung bereits viel Kritik von innen und außen einstecken musste.
In der Wissenschaftszeitung Nature war kürzlich zu lesen, dass man mittlerweile davon ausgeht, dass unsere Nachbar-Planeten Mars und Venus für lange Zeiträume eine Wasserhülle und dementsprechend auch eine Atmosphäre hatten, womit Experten davon ausgehen, dass auf diesen Planeten vor einigen 100 Millionen Jahren Leben existiert haben könnte. Beim Mars nimmt man mittlerweile an, dass die Wasserhülle nicht ins Weltall entwichen ist. Stattdessen gibt es starke Anzeichen, dass das ehemalige Oberflächenwasser sich in die tieferen Gesteinsschichten zurückgezogen hat. Wenn man dann noch in derselben Zeitschrift Berichte liest, wonach überall auf der Erde derzeit die Grundwasserspiegel rapide absinken, stellt sich das Gefühl eines Déja- vu ein. Möglicherweise ist uns der Mars nur einige 100 Millionen Jahre voraus….
Wo ist der Mut, kontraproduktiven und unsozialen Machenschaften Einhalt zu gebieten? Visionen und Ideen für technische Innovationen sind da.
Sogar im kleinen Kosmos wie Innsbruck. Die Grünen unter Bürgermeister Willi wollen den Schritt wagen, die Innsbrucker City autofrei zu gestalten. Das ist schon fast revolutionär angesichts der Gemeinderatszusammensetzung und deren Auseinandersetzungen. Als nächster Schritt wäre dann die Umsetzung von Gratis Öffis logisch. Da liest sich der Artikel in der TT über die Erholung der Luftfahrt am Innsbrucker Flughafen wie ein schlechter Witz. Einerseits brennt die Welt, Kerosin wird aber weiter subventioniert und macht die Luft auch nicht besser. Andererseits setzt man wieder auf Unmengen von Flugtouristen im Winter. Zudem sind scheinbar 16,8 Millionen für die Pistensanierung kein Problem. Alternativ könnte man dafür Gratis Öffis finanzieren und Fahrräder und schattige Parks und Begegnungsstätten und Kultur und Jugendtreffs usw.!
Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine: Wie geht es dir? Du schaust schlecht aus. Sagt der andere: Ich habe Homo sapiens. Meint der erste: Hatte ich auch. Geht schnell vorbei!

Sylvia Dürr
Pidder Jansen-Dürr