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Gesetzliche Frauenquoten? Igitt igitt ...

  • Mittwoch, 23. Mrz 2011 @ 16:04
Pressespiegel Von: Rosmarie Thüminger (KPÖ-Tirol) [image1_right]
Keine Freundinnen fixer Quoten seien sie, so die ÖVP-Familienstaatssekretärin Verena Remler, die Landesrätin Patrizia Zoller Frischauf und andere Tiroler ÖVP-FuntkionärInnen. Klingt Stolz mit, über die eigene Parteitreue und die so demonstrierte Verwurzelung im Tirolertum?
Oder ist es einfach Denkfaulheit und Fanatismus? Fanatismus, der von Remler allerdings bei den Feministinnen geortet wird.

Remler schwärmt im Interview vom 5. März in der Tiroler Tageszeitung von der Wahlfreiheit der Frauen, die ihr sehr am Herzen liege. „Frauen sollen so leben, wie sie wollen“. Aha, denke ich, wie möchte wohl eine Mutter zweier Kinder im schulpflichtigen Alter, verheiratet mit einem Mann, dessen Lohn durch die rasant ansteigende Teuerung immer weniger ausreicht, um allein die Fixkosten zu decken und die als Verkäuferin nur dürftig zum Familieneinkommen beitragen kann, leben? Da wäre einmal eine schöne Wohnung, in dem jedes Kind ein eigenes Zimmer hat, genügend Geld für Nachhilfe, die weder sie nach der Vater ihnen geben können, weil sie den gegenwärtigen Lehrstoff selbst nicht beherrschen, eine interessantere Arbeit als die einer Kassierin, etwas mehr Zeit für sich haben und mehr Geld, so dass sie nicht ansuchen muss um finanzielle Unterstützung, wenn die Schule wieder einmal eine Fahrt in die Bundeshauptstadt veranstaltet. Und fein wäre ein Garten, in dem sich die Familie am Sonntag erholen könnte und die Kinder toben dürften, soviel sie wollten. Ach ja, sie hätte auch gerne studiert, auf Geschichte war sie immer erpicht, und ein Job auf der Uni wäre natürlich nicht schlecht, gute Bezahlung, Umgang mit jungen Menschen und interessanten Leuten. Daraus ist nichts geworden, als Hauptschulabgängerin hat sie gleich angefangen als Kassierin zu arbeiten im einzigen Lebensmittelgeschäft ihres Dorfes, bis dann ihr Mann in die Stadt gezogen ist, und sie mit ihm und nun hier weiterarbeitet, Teilzeit, weil die Kinder am Nachmittag betreut werden müssen.

Gute Frau Ramler, Sie bräuchten dieser Frau nicht zu sagen, wie sie leben sollte, sie wüsste es sehr gut – nur das Leben spielt so nicht.

Und überhaupt diese Quoten! Sie sind ja keine Quotenfrau, Verena Remler. Sie waren sozusagen der Notnagel, den die Tiroler ÖVP aus dem Hut zaubern musste. Ein Mann taugt im 21. Jahrhundert denn doch nicht gut zu einer Familienstaatssekretärin, zudem die Bedingung für den Posten war, dass ihn eine Frau besetzen müsse. Dass Frauen sich rar machen in der ÖVP ist nicht ihren mangelnden Mut, den Ihr Parteikollegin Patrizia Zoller-Frischauf aufzuspüren glaubt, sondern schlicht der Frauenpolitik der ÖVP geschuldet.

Schauen wir uns kurz die Hochglanzbroschüre der Landesregierung (ÖVP mit kleinem, zum Regieren überflüssigem Koalitionspartner SPÖ), Fachbereich Gleichstellung, die zu 100 Jahre Frauentag erschienen ist, an. Bis auf zwei lesenswerten Artikel von Caroline Kleibel und Elke Zobl, beschränkt sich die 12seitige Zeitung im wesentlichen darauf, Lobgesänge anzustimmen über die ehrenamtliche Arbeit, für die Frauen wie geschaffen sind, die also auch sichtbar gemacht gehört (so Frischer – Zollauf), auf dass Frauen noch mehr und ausgiebiger unbezahlt und freiwillig schuften sollten. Selbstverständlich ist es ein Mann, der den Leitartikel „Wo Frauen überall Hilfe leisten“ schreibt, denn die Frauen leisten Hilfe, der Leiter ist ein Mann.

Dazu die immer wiederkehrenden penetranten Triaden führender FunktionärInnen zu ihrem Frauenbild, zur heilen Familie, zur Tradition und die Verweigerung, sich dafür einzusetzen, dass endlich auch in den Tiroler Krankenanstalten der Schwangerschaftsabbruch durchgeführt wird, dass flächendeckend Ganztageskindergärten, Ganztags - und Gesamtschulenschulen eingeführt werden, dass feministische Bildung, deren sie selbst leider entbehren, gefördert wird. Obendrein einen Landeshauptmann, einen Patriarchen, wie er im Buche steht und ihm gleich die führenden Mander mit ihrer Stammtischmentalität und ihrem hierarchischem Gehabe.

Zieht Frauen eine derartige Politik an? Sehr wenige, auf keinen Fall Feministinnen – nun ja, so sieht dann eben der Funktionärinnenfundus aus, woraus diese Partei schöpfen kann.

Marlene Streeruwitz schloss ein Interviews zu ihrem neuestem Buch: „Wie bleibe ich Feministin?“ auf die Frage, auf welche Weise man als Frau am besten alt würde mit dem Satz: „Als Feministin, das ist die beste Lösung. Weil einem keine wertende Sinneinheit den Rückblick auf das eigene Leben verstellt. Das ist Glück, zurückschauen zu können ohne „Hätte ich doch…“, „Wäre ich doch…“ und zu wissen, auf welchen Wegen man getaumelt ist, was gelungen ist und was nicht. Das zu wissen, ist ein unglaubliches Glück.“