Studi-Stadtrad vor dem Aus? - Gläserne Kostenaufstellung notwendig

Pressestelle - Tirol

26. Mai 2026

Das erfolgreiche Stadtrad-Angebot für Studierende steht möglicherweise vor dem Aus. Die Hochschülerschaft soll 85.000 Euro zahlen – eine Verdreifachung der ursprünglichen Kosten.(1) Während die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) dies mit der Inflation begründen, bleibt ein entscheidender Teil der Rechnung im Dunkeln: „Wohin fließt das Geld tatsächlich?”


„Es ist unbestritten: Die Nutzungszahlen sind massiv gestiegen. Von ursprünglich kalkulierten zwei Fahrten pro Rad und Tag auf bis zu acht. Dass dies höhere Betriebskosten verursacht – mehr Wartung, mehr Personal für Reparatur und Logistik ist nachvollziehbar”, erklärt KPÖ-Gemeinderätin Pia Tomedi. Für sie ist klar, dass ein erfolgreiches Angebot entsprechend finanziert werden muss.(2) „Doch hinter dem Stadtrad steht nicht nur die lokale IVB”, erinnert Tomedi. „Die Software, die App, das digitale Verleihsystem wird von nextbike bereitgestellt. Und nextbike gehört seit April 2024 mehrheitlich dem britischen Private-Equity-Fonds STAR Capital.”(3)


Wohin fließt das Geld tatsächlich?
„Das Geschäftsmodell solcher Fonds ist bekannt: Unternehmen kaufen, Rendite optimieren, Gewinne abschöpfen. Ein Teil jener 85.000 Euro, die nun von der ÖH gefordert werden, fließt als Lizenzgebühr an nextbike – und damit an eine britische Investmentgesellschaft, die ihre Gewinne über Partnerfirmen ins Ausland schleust. Ob und wo diese versteuert werden, ist für die Stadt nicht nachvollziehbar“, gibt Tomedi zu bedenken. Die auch ein weiteres Problem erkennt: „STAR Capital hat Zugriff auf die Nutzungsdaten tausender Innsbruckerinnen und Innsbrucker. Wo diese Daten gespeichert werden und ob sie EU-Datenschutzstandards unterliegen – ist bisher ungeklärt.“

KPÖ: Gläserne Kostenaufstellung
„Man müsste sich dringend ansehen, wie sich die Kosten für das Stadtrad konkret zusammensetzen“, sagt Tomedi. „Welcher Anteil entfällt auf Betriebs- und Personalkosten? Welcher fließt als Lizenzgebühr an nextbike – und wie viel davon schöpft STAR Capital als Gewinn ab?“ Wir sehen es sehr kritisch, dass ein britisches Private-Equity-Unternehmen an der Mobilität der Bevölkerung mitverdient, während die Kosten steigen und Datenschutzbedenken unter den Tisch fallen. „Eine gläserne Kostenaufstellung ist der erste Schritt“, sagt Tomedi. Es soll dabei helfen, das Stadtrad günstiger und sicherer zu machen – nicht nur für Studierende, sondern für alle Innsbruckerinnen und Innsbrucker.

       

 Quellenverweis:

  1. Langegger, Verena:  Aus für Gratis-Bike? Keine Einigung bei Stadtrad für Studierende in Innsbruck; in: Tiroler Tageszeitung; online: https://www.tt.com/artikel/30934418/aus-fuer-gratis-bike-keine-einigung-bei-stadtrad-fuer-studierende-in-innsbruck; Abrufdatum: 21.05.2026.
  2. O.A.: Vertragsänderung im Vergabeverfahren "Rahmenvertrag über den Betrieb des Mietradsystems Stadtrad Innsbruck"; Forum Informationsfreiheit; online:  https://offenevergaben.at/index.php/auftr%C3%A4ge/217736; Abrufdatum: 21.05.2026.
  3. Star Capital: nextbike Overview; Homepage von Star Capital; online: https://www.star-capital.com/portfolio/nextbike.html; Abrufdatum: 21.05.2026.